Abseitsregel einfach erklärt: Wann ist es Abseits?
Abseitsregel einfach erklärt: Wann steht ein Spieler im Abseits und wann wird gepfiffen? Alle Regeln, Ausnahmen und die Technik 2026/27 im Überblick.
Abseits ist, wenn ein Angreifer im Moment des Zuspiels näher am gegnerischen Tor steht als der Ball und der vorletzte Gegner, und anschließend aktiv ins Spiel eingreift. Allein in dieser Position zu stehen, ist noch kein Regelverstoß. Wie das genau funktioniert, wann es nie Abseits gibt und was sich durch die Technik verändert hat, erklärt dieser Ratgeber Schritt für Schritt.
Stand: Oktober 2026 (Regelwerk der IFAB, Saison 2026/27)
Inhaltsverzeichnis
- 1 Die Abseitsregel in Kürze
- 2 Wann steht ein Spieler im Abseits?
- 3 Abseitsstellung ist noch kein Abseits
- 4 Wann gibt es nie Abseits?
- 5 Absichtliches Spielen oder Abwehr: der heikle Unterschied
- 6 Die Entscheidung: Wer pfeift, wer prüft?
- 7 Abseitstechnologie in der Bundesliga
- 8 Wie die Abseitsregel entstanden ist
- 9 Häufige Fragen zur Abseitsregel
Die Abseitsregel in Kürze
- Abseitsstellung: Ein Spieler steht in der gegnerischen Hälfte näher an der Torlinie als der Ball und als der vorletzte Gegner. Das gilt für Kopf, Rumpf und Füße; Hände und Arme zählen nicht.
- Gleiche Höhe: Wer auf einer Linie mit dem vorletzten oder den beiden letzten Gegnern steht, ist nicht im Abseits.
- Strafbar: Abseits wird erst gepfiffen, wenn der Spieler im Moment des Zuspiels in Abseitsstellung ist und danach aktiv eingreift.
- Folge: indirekter Freistoß für den Gegner, dort wo der Spieler eingegriffen hat.
Wann steht ein Spieler im Abseits?
Die Abseitsstellung wird im Augenblick bestimmt, in dem ein Mitspieler den Ball spielt oder berührt. Entscheidend sind drei Dinge: Der Spieler muss in der gegnerischen Spielfeldhälfte sein (die Mittellinie zählt noch nicht als Abseits), er muss dem gegnerischen Tor näher sein als der Ball und er muss dem Tor näher sein als der vorletzte Gegner. Meist ist der vorletzte Gegner ein Feldspieler, weil der Torwart der letzte ist. Zählen darf jeder Körperteil, mit dem man ein Tor erzielen könnte, also Kopf, Rumpf und Füße. Hände und Arme bleiben außen vor, auch die des Torwarts.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Läuft ein Stürmer erst nach dem Pass hinter die Abwehr, ist das kein Abseits. Entscheidend ist seine Position, als der Mitspieler den Ball spielt.
Abseitsstellung ist noch kein Abseits
Im Regelwerk steht ausdrücklich, dass es kein Vergehen ist, in einer Abseitsstellung zu stehen. Gepfiffen wird nur, wenn der Spieler in dieser Position aktiv ins Spiel eingreift. Das kann auf drei Wegen passieren:
- Eingreifen ins Spiel: Er spielt oder berührt einen Ball, den ein Mitspieler gespielt oder berührt hat.
- Eingreifen gegen einen Gegner: Er nimmt dem Gegner die Sicht, kämpft um den Ball, versucht klar, einen nahen Ball zu spielen und beeinflusst damit den Gegner, oder er macht eine eindeutige Aktion, die den Gegner am Spielen hindert.
- Vorteil durch die Position: Er spielt den Ball oder greift ein, nachdem dieser von Pfosten, Latte oder einem Gegner zurückgeprallt ist oder von einem Gegner absichtlich gehalten oder abgewehrt wurde.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen aktivem und passivem Abseits: Wer in Abseitsstellung steht, den Ball aber nicht berührt und keinen Gegner stört, wird nicht bestraft. Dann läuft das Spiel einfach weiter.
Wann gibt es nie Abseits?
Es gibt Situationen, in denen die Regel gar nicht greift. Dazu gehören direkte Zuspiele aus bestimmten Standards und Positionen in der eigenen Hälfte:
| Situation | Abseits möglich? |
|---|---|
| Ball direkt nach Abstoß | Nein |
| Ball direkt nach Einwurf | Nein |
| Ball direkt nach Eckstoß | Nein |
| Spieler steht in der eigenen Spielfeldhälfte | Nein |
| Spieler steht auf gleicher Höhe wie der vorletzte oder die beiden letzten Gegner | Nein |
| Ball direkt nach Freistoß oder Strafstoß | Ja, wenn die Bedingungen erfüllt sind |
| Ball kommt von einem Gegner, der ihn absichtlich spielt | Nein, außer bei einer absichtlichen Abwehr (Rettungsaktion) |
Absichtliches Spielen oder Abwehr: der heikle Unterschied
Kommt der Ball von einem Gegner, der ihn absichtlich gespielt hat, ist der Angreifer in der Regel nicht im Abseits, selbst wenn er vorher in Abseitsstellung stand. Das gilt auch für ein absichtliches Handspiel. Eine Ausnahme ist die absichtliche Abwehr: Hat ein Gegner einen Ball gerettet, der ins Tor oder sehr nah daran vorbei ging, bleibt das Abseits bestehen. Als Abwehr gilt jedes Stoppen oder der Versuch, einen Ball zu stoppen, mit einem anderen Körperteil als den Händen und Armen (Torhüter im eigenen Strafraum ausgenommen).
Von „absichtlichem Spielen“ spricht das Regelwerk, wenn der Gegner den Ball unter Kontrolle hat und ihn passen, erobern oder klären könnte. Hinweise darauf sind ein Ball, der aus einiger Entfernung kommt und gut zu sehen ist, ein langsamer oder berechenbarer Ball, genug Zeit zum Anpassen der Körperbewegung und ein Ball am Boden statt in der Luft.
Die Entscheidung: Wer pfeift, wer prüft?
Abseits wird auf dem Platz vom Schiedsrichter-Assistenten an der Linie angezeigt, der mit der Fahne arbeitet. Bei Toren schaut zusätzlich der Videoassistent mit. Wie lange solche Überprüfungen dauern, steht in unserem Artikel Wie lange dauert ein Fußballspiel?.

Abseitstechnologie in der Bundesliga
Seit der Saison 2025/26 setzen Bundesliga und 2. Bundesliga auf die halbautomatische Abseitstechnologie. Laut DFB verfolgen spezielle hochauflösende Kameras in den Stadien die Bewegungen von Spielern und Ball in Echtzeit, eine künstliche Intelligenz berechnet daraus die genauen Positionen und erkennt relevante Spielsituationen und mögliche Abseitsstellungen. Das System erstellt automatisch eine virtuelle Abseitslinie, die der Videoassistent prüft, bevor er die Entscheidung an den Schiedsrichter weitergibt. Das Ergebnis kann als Animation in der TV-Übertragung gezeigt werden.
Vorbild war die Weltmeisterschaft 2022 in Katar: Dort lieferten zwölf Kameras unter den Stadiondächern und ein Sensor im Ball die Daten an den Videokeller. Das Ziel ist, knappe Abseitsentscheidungen deutlich schneller zu treffen; ein Bericht schätzte die Zeitersparnis auf durchschnittlich 30 Sekunden pro Überprüfung. Am Gesetzestext der Regel 11 hat sich dadurch nichts geändert: Auch im Regelwerk 2026/27 ist die Abseitsregel nicht überarbeitet worden. Neu ist nur, dass Wettbewerbe die halbautomatische Technik ausdrücklich einsetzen dürfen.

Wie die Abseitsregel entstanden ist
| Jahr | Entwicklung |
|---|---|
| 1863 | Der englische Fußballverband führt am 17. November ein strenges Abseitsgesetz ein. |
| 1866 | Die Regel wird gelockert: Ein Spieler ist nicht im Abseits, wenn mindestens drei Gegner zwischen ihm und dem Tor stehen. |
| 1925 | Der Verband beschließt am 8. Juni die Zwei-Gegner-Regel, die IFAB übernimmt sie noch im selben Monat. Seitdem genügt der vorletzte Gegner. |
| 2022 | Halbautomatische Abseitstechnologie bei der WM in Katar |
| 2025/26 | Einführung in der Bundesliga und 2. Bundesliga |
Die Idee der Regel ist bis heute dieselbe: Angreifer sollen nicht dauerhaft vor dem Tor auf einen langen Ball warten können. Wer wissen will, wie Stürmer und Verteidiger im Spielsystem zusammenhängen, findet das in unserem Überblick Fußball-Positionen erklärt.
Häufige Fragen zur Abseitsregel
Kann man bei einem Einwurf im Abseits stehen?
Nein. Wer den Ball direkt von einem Einwurf, Abstoß oder Eckstoß bekommt, kann nicht im Abseits sein.
Gilt die Abseitsregel auch in der eigenen Hälfte?
Nein. Ein Spieler kann nur in der gegnerischen Hälfte im Abseits stehen. Die Mittellinie selbst zählt noch nicht als Abseits.
Welche Körperteile zählen beim Abseits?
Kopf, Rumpf und Füße. Hände und Arme werden nicht berücksichtigt, auch nicht die des Torwarts.
Was passiert nach einem Abseitspfiff?
Die gegnerische Mannschaft bekommt einen indirekten Freistoß an der Stelle, an der der Spieler in Abseitsstellung eingegriffen hat. Das gilt auch, wenn diese Stelle in der eigenen Hälfte des Spielers liegt.
Muss der Ball berührt werden, damit es Abseits ist?
Nein. Auch ohne Ballkontakt kann Abseits gepfiffen werden, zum Beispiel wenn ein Angreifer dem Torwart die Sicht nimmt oder einen Gegner klar am Spielen hindert.
Weitere Ratgeber: Wie groß ist ein Fußballfeld? und Wie groß ist ein Fußballtor?