Bundesliga-Geschichte – Uli ist bei Bayern nur Direktionsassistent


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 02. Mai in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Nach dem ersten Arbeitstag von Uli Hoeneß 1979 bei den Bayern, an dem er gleich ein Winter-Trainingslager in Kuwait zu organisieren versucht, erklärt Präsident Willi O. Hoffmann ihn öffentlich zum „Direktionsassistenten“. Es dient der Beschwichtigung einiger von seiner Beförderung zum Manager nicht sonderlich begeisterter ehemaliger Mitspieler. Bremsen wird es ihn nicht…

Er läuft meist nur so mit im Starensemble der Bayern, auch im Weltmeisterkader 1990 spielt er eine Nebenrolle. Aber am 2. Mai 1990 ist Linksverteidiger Hansi Pflügler der Meisterschütze. Sein Treffer im Heimspiel gegen den FC St. Pauli (1:0) sichert die Titelverteidigung schon am 32. Spieltag. Vor der geringsten Kulisse, vor der je ein Meister gekürt worden ist: Nur 18.000 kommen noch ins Olympiastadion, wenn die Bayern wieder mal feiern.

Störungen durch Randalierer sind in der Bundesliga 1992 nicht ungewöhnlich, aber normal bleiben sie dabei auf Abstand. In Dresden muss die Partie gegen Schalke jedoch unterbrochen werden, weil Dynamo-Fans auf der Flucht vor in ihren Block drängenden Schalke-Hooligans über die Zäune klettern und aufs Feld rennen. Gerechte Strafe: Das interimistisch erstmals von Klubidol Klaus Fischer trainierte Schalke verliert 1:2 und rutscht in den besonders wilden Abstiegsstrudel von 1991/92.

Das Sportgericht des DFB zieht Bayern München 1995 zwei Punkte ab. Es ist die vorgesehene Strafe für den Wechselfehler in Frankfurt, wo der Meister von 1994 zwar 5:2 gewinnt, aber vier statt der erlaubten drei Amateure einsetzt. Es nutzt nicht mal etwas, dass Eintracht-Präsident Matthias Ohms auf „ein Zeichen zum Wohle des Sports“ hofft und ein Wiederholungsspiel anbietet. Paragraph 25, Absatz 4 der Spielordnung erlaubt solche Gefühlsanwandlungen nicht und erklärt Eintracht zum Sieger – mit 2:0.

Uli Hoeneß, Paul Breitner und Pal Csernai stoßen auf die Deutsche Meisterschaft an.
Uli Hoeneß, Paul Breitner und Pal Csernai stoßen auf die Deutsche Meisterschaft an. Foto: Imago Images

Der Sensationsmeister steht fest

Otto Rehhagel wird Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern.
Otto Rehhagel wird Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern. Foto: Imago Images

Die größte Sensation der Bundesligageschichte hat sich zwar schon länger angebahnt, 1998 ist sie Fakt und alle Welt staunt. Otto Rehhagel führt Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern durch ein 4:0 gegen den VfL Wolfsburg und dank eines Patzers der Bayern in Duisburg (0:0) am 33. Spieltag 1997/98 zur Deutschen Meisterschaft, die sie sich nach 31 Tabellenführungen redlich verdient haben.

Es ist ein Novum auf deutschem Boden, das dem Verein 70.000 DM pro Meisterspieler wert ist. Präsident Hubert Keßler ergriffen: „Dieser Sieg hat die letzten Tränen von Leverkusen getrocknet.“ Da ist der FCK 1996 erstmals abgestiegen. Nun steht die Pfalz Kopf vor Freude. Nach Abpfiff strömen die Fans auf den Rasen und nehmen sich einige Erinnerungsstücke mit.

Ein besonderer Nachmittag ist es auch für den Bielefelder Uwe Fuchs, der mit Arminia absteigt und mit seinem Doppelschlag Ex-Klub 1. FC Köln fast sicher mit runter in die 2. Liga nimmt. In Kaiserslautern hat er auch mal gespielt und so ist er im Zwiespalt der Gefühle: „Ich werde stündlich die Getränke wechseln – von Champagner über Bier bis Selters ist heute alles dabei.“

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Das Debakel des VfB Stuttgart

Alexandru Maxim (VfB Stuttgart) kann es nicht fassen. 2:6 gegen Werder Bremen.
Alexandru Maxim (VfB Stuttgart) kann es nicht fassen. 2:6 gegen Werder Bremen. Foto: Imago Images

Das Spiel am 02. Mai 2009 war längst verloren, die eine Minute hätte Hoffenheims Andy Beck auch noch überstehen können. Aber ein guter Verteidiger verteidigt sein Tor bis der Schiri abpfeift und so legt der schon verwarnte Beck den Wolfsburger Marcel Schäfer beim Stand von 0:3 im Strafraum und fliegt vom Platz. Der folgende Elfer sitzt, das 0:4 ist die höchste Niederlage des absoluten Neulings. Historisch macht den Moment aber etwas anderes: Becks Platzverweis ist der 1000. der Bundesligageschichte.

Am selben Tag kehrt Trainer Jupp Heynckes nach fast 18 Jahren auf die Bayern-Bank zurück, um die Saison 2008/09 zu retten. Zum Auftakt muss er seine alte Liebe Borussia Mönchengladbach schlagen ­– es gelingt (2:1).

Die Jahreshauptversammlung der Bayern ist nie spannender als 2014. Alle wollen wissen was der sich ins Gefängnis verabschiedende Präsident Uli Hoeneß seinen Mitgliedern sagt. Der verurteilte Steuerbetrüger gibt sich ebenso einsichtig wie kämpferisch. Vier Worte bleiben in Erinnerung: „Das war’s noch nicht!“

Nach 16 Jahren gibt es am 02. Mai 2016 wieder ein Montagspiel in der Bundesliga. Aus polizeilichen Gründen – wegen befürchteter Ausschreitungen am 1. Mai – darf sonntags nicht gespielt werden. Die DFL verlegt deshalb das Abstiegsduell zwischen Werder Bremen und den VfB Stuttgart auf den Montagabend (20.15 Uhr). Viele VfB-Fans boykottieren den Termin, es bleibt ihnen ein 2:6-Debakel erspart. Aufgrund dieser Ansetzung gründen jedoch einige von ihnen den kommerzkritischen Verein „FC Playfair“.

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