Bundesliga-Geschichte – Als in Gladbach der Pfosten brach …


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 03. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Die Liga ist 1965 erst im zweiten Jahr, schon schreien die Klubs nach Reformen. Nicht mit dem DFB. Der Beirat lehnt die Aufstockung von 16 auf 18 Klubs ebenso ab wie die Erlaubnis, fortan alle zwei Jahre sechs statt drei Spieler zu verpflichten. Auch die Einführung einer 2. Liga will der Verband 1965 noch nicht erleben müssen.

Gut Holz wünschen sich eigentlich nur die Kegler, aber am Mönchengladbacher Bökelberg wäre es am 03. April 1971 auch irgendwie angebracht. Weil die Tore in den Siebzigern noch aus Holz sind, nagt an ihnen der Zahn der Zeit. Als der Borussen-Stürmer Herbert Laumen nach einem Luftkampf mit Bremens Torwart Günter Bernard statt des Balles selbst im Netz landet, bricht der linke Pfosten durch und das Tor zusammen. Das Lachen legt sich schnell, was bleibt ist das Problem. Der Fall des Tores ist auch ein neuer für die Juristerei in der Bundesliga. Das Spiel wird beim Stand von 1:1 nach 88 Minuten abgebrochen, aber wie soll es gewertet werden? Die Gladbacher, Tabellenführer, hoffen auf eine Wiederholung, um Bremen im zweiten Anlauf zu schlagen. Frühere Urteile aus dem Amateurbereich geben keine strikte Linie vor. Mal wurde die Restspielzeit ausgetragen, mal das Spiel für den Gast gewertet. „Entscheide schnell, DFB!“, fordert der Kicker. Es dauert dennoch 26 Tage,  auch der Platzwart muss vors Sportgericht und beteuert die Unmöglichkeit das Tor ohne „Drillbohrer, Presslufthammer, Flaschenzug und Kran“ zeitnah zu reparieren. Der DFB aber moniert dass kein Ersatztor da war und die Passivität der Borussen. Die Punkte gehen an Werder, das seitdem in der Ewigen Tabelle ein Tor mehr hat, als es selbst schoss. Gegen die Wertung von 0:2 legt Borussia, der der DFB Passivität vorwirft, Protest ein. Erst am 19. Mai herrscht Klarheit – abgelehnt!

 

Herbert Laumen, Gladbach, 1972
Borussen-Stürmer Herbert Laumen landet nach einem Luftkampf mit Bremens Torwart Günter Bernard 1972 statt des Balles selbst im Netz. Daraufhin bricht der linke Pfosten durch und das Tor zusammen. Copyright: Imago images

03. April 1999: Kung Fu-Kahn geht auf Gegenspieler los ...

Torwart Oliver Kahn Bayern verliert die Beherrschung und gefährdet vorsätzlich mit gestrecktem Bein die Gesundheit von Stephane Chapuisat BVB, li.

Der HSV gewinnt am 03. April 1991 sein Heimspiel zwar nicht, verkündet am Rande des 1:1 gegen Köln dennoch einen Sieg: Thomas Doll, der großartig eingeschlagene DDR-Nationalspieler bleibt definitiv und verspricht, seinen Vertrag vorzeitig zu verlängern. Italien-Angebote hin oder her. „Stand jetzt“ sagt er nicht. Im Sommer wechselt er trotzdem zu Lazio Rom.

Kung Fu im Westfalenstadion 1999. Bei Bayerns Gastspiel in Dortmund wirkt Torwart Oliver Kahn reichlich überdreht. Angeblich um seine Kameraden zu pushen, die zur Pause schon 0:2 zurückliegen, rennt Kahn mit gestrecktem Bein Chapuisat entgegen und täuscht eine Attacke vor. Heiko Herrlich knabbert er an den Ohren. Auch sonst geht’s rund: Dortmunds Stefan Reuter und Bayern Sammy Kuffour fliegen vom Platz und Bayern holt noch zum 2:2 auf.

Zoologen wussten es schon 2003: Tiger und Wölfe darf man nicht in einen Zwinger sperren, sie harmonieren nicht so recht. Fußballfans wissen es nun auch, denn in Wolfsburg endet die Allianz zwischen dem VfL Wolfsburg und seinem schillerndsten Star eher als eine Schwangerschaft dauert: Stefan Effenberg, „der Tiger“, flüchtet nach acht Monaten über Nacht aus der Volkswagen-Stadt. Unüberbrückbare Differenzen mit Trainer Jürgen Röber beenden 2003 seine beachtliche Bundesligakarriere. „Er hat mich immer kritisiert, ich habe mich nicht mehr auf das Training gefreut“, gesteht „Effe“ ausgewählten Journalisten in einem Hamburger Hotel. Der VfL spart sich jeden Kommentar und drei Monatsgehälter.

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03. April 2016: Jörg Schmadtke attackiert Hoffenheims Nagelsmann ...

Nagelsmann, Schmadtke, Köln, Hoffenheim 2016
Kölns Sportdirektor Jörg Schmadtke attackiert Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann 2016 mit einem winzigen Wurfgeschoss. Das fliegende Kaugummi kostet ihn 8000 € - mittlerweile haben sie sich wieder vertragen. Copyright: Imago images

Das kann sich auch kein Regisseur ausdenken. Am Jahrestag der Effenberg-Flucht, dem 03. April 2004, fliegt Jürgen Röber beim VfL Wolfsburg raus – nach einem 1:5 beim VfB Stuttgart, seiner ersten Trainerstation. Nachfolger wird Eric Gerets, gerade in Kaiserslautern entlassen. Der HSV spielt weiter Gefühls-Jojo mit seinen Fans und lässt dem achten Heimsieg in Folge die achte Auswärtsniederlage in Serie folgen – das 1:4 auf Schalke erzürnt Präsident Bernd Hofmann: „Sonst war ich deprimiert, jetzt bin ich richtig sauer.“ In Köln macht ein 18jähriger weiter von sich reden und rechnen kann er auch. Lukas Podolski trifft beim 2:0 des 1. FC gegen Frankfurt und verkündet: „Wenn wir jetzt alle Spiele gewinnen, steigen wir nicht ab.“

In Sinsheim fliegt 2016 ein Kaugummi von der einen Coaching-Zone in die andere. Kölns Sportdirektor Jörg Schmadtke regt sich über den allzu kecken neuen Hoffenheimer Trainer-Bubi Jens Nagelsmann und den Ausgleich in letzter Minute auf und greift zum nächstbesten Wurfgeschoss, Verletzte gibt es keine, nur einen Reuigen. Schmadtke: „Es tut mir leid.“ Es wird der teuerste Kaugummi seines Lebens, der DFB verurteilt ihn zu 8000 Euro.

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