Bundesliga-Geschichte – Als Dörfel die Regeln nicht kannte und Klopp kapitulierte


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 15. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Eintracht Braunschweig wird 1967 allmählich unheimlich. Vor der Saison Abstiegskandidat Nummer eins, festigt sie mit einem furiosen 5:2 gegen die Bayern die Tabellenführung. Bayern-Trainer Tschik Cajkovski sagt den Gastgebern beeindruckt: „Jetzt müsst ihr aber auch Meister werden.“ Dass die Bayern genau das beabsichtigt haben, verrät Franz Beckenbauer Jahrzehnte später, weil sie nicht wollten dass die Münchner Löwen schon wieder die Schale bekämen. Sollten sie nicht extra verloren haben, dann doch ziemlich gerne.

Am selben Tag erhält HSV-Nationalspieler Gert „Charly“ Dörfel eine Lektion in Regelkunde. In Meiderich donnert er einen Elfmeter an die Latte, ohne dass ihn Torwart Manfred Manglitz berührt. Dörfel drischt den Abpraller trotzdem ins Tor und wundert sich, dass der Treffer nicht zählt. Der Schiedsrichter muss ihn belehren, dass ein Doppelpass mit dem Torgestänge beim Elfmeter nun mal nicht zählt. Das Sport Magazin macht es am Montag auch: „Regelkunde, Gert Dörfel!“

Skandalsünder Arminia Bielefeld muss am 15. April 1972 büßen. Das DFB-Bundesgericht schmettert den Protest der Ostwestfalen ab und bestätigt das Sportgerichtsurteil, das sie zum Zwangsabstieg verdammt. Damit wird Arminia zur ersten amtlichen Nullnummer der Bundesliga, sie wird ohne Tore und Punkte auf den letzten Platz gesetzt, muss die Saison 1971/72 aber zu Ende spielen. Die Resultate zählen nur auf dem Konto des Gegners. Da sich der Abstiegskampf zu entspannen scheint, kann Borussia Dortmund das 1:7 am selben Tag in Mönchengladbach leichter wegstecken. Günter Netzer erzielt drei Tore – erst zum zweiten Mal in seiner Bundesligakarriere.

HSVler Gert Charly Dörfel, hier gegen Torwart Sepp Maier (Bayern), kannte sich 1967 noch nicht so gut mit den Elfmeterregeln aus... Copyright: imago/WEREK

15. April 1995: Als ein Rechenfehler Bayern den Sieg kostet

Dietmar Hamann, Bayern
Dietmar Hamanns Einsatz für den FC Bayern München, kostet sie 1995 den Sieg. Copyright: imago images / Claus Bergmann

Der 1. FC Köln trennt sich 1980 von Meistertrainer Hennes Weisweiler. Wer seinen Abschied zum Saisonende ankündigt – es zieht ihn zu Cosmos New York – sollte es vermeiden, bei Abstiegskandidaten zu verlieren. Das 0:1 bei Hertha BSC drei Tage zuvor wird folglich sein Bundesligaabschied nach 470 Spielen und insgesamt vier Meisterschaften mit Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Während der Vorstand noch über seinen Rauswurf berät, tritt er zurück. Der Geißbock heißt trotzdem bis heute nach ihm.

An einem Mittwochabend 1987 steigt das verrückteste Südwestderby aller Zeiten in der Bundesliga. Waldhof Mannheim schlägt im Ausweichquartier Ludwigshafen den 1. FC Kaiserslautern mit 4:3. Alle Waldhof-Tore erzielt Fritz Walter, darunter sind zwei Elfmeter. Zwei weitere für Waldhof hält Gästekeeper Gerald Ehrmann, einen von Walter, dem damit die Einstellung des Bundesligarekords des Stuttgarters Michael Nushöhr entgeht. Rekord sind aber die vier Elfmeter für eine Mannschaft. In letzter Minute nimmt Schiedsrichter Joachim Kautschor ein FCK-Treffer wegen Abseits zurück. Kein Spiel für schwache Nerven.

Amateurhaftes Verhalten kostet Bayern München am 15. April 1995 einen grandiosen Sieg und schenkt dem Fußball eine Lachnummer. 5:2 steht es nach 90 Minuten in Frankfurt, wo sie eigentlich nie gewinnen – schon gar nicht so hoch. Weil aber Trainer Giovanni Trapattoni in Dietmar Hamann in höchster Personalnot einen vierten Amateur und damit einen mehr als erlaubt einsetzt, legt die Eintracht einen äußerst aussichtsreichen Protest ein. Sie wird die Punkte bekommen. Manager Uli Hoeneß nimmt Trapattoni in Schutz und plädiert auf die Fehlbarkeit des Menschen: „Das ist wie bei einer Prüfung. Sie wissen, dass zwei mal zwei vier macht und schreiben trotzdem fünf.“

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15. April 2015: Kloppo kündigt Rückzug vom BVB an

Jürgen Klopp, BVB
Jürgen Klopp gibt seinen Abschied vom BVB auf der Pressekonferenz offiziell bekannt. Copyright: Imago images

Altmeister Udo Lattek sitzt 2000 einen Tag nach seinem Comeback bei Borussia Dortmund schon auf der Bank. Bei Schlusslicht MSV Duisburg springt nur ein 2:2 heraus.

Im Spiel eins nach der Entlassung von Trainer Mirko Slomka beendet Schalke-Stürmer Kevin Kuranyi 2008 seine Torflaute und schießt gegen Energie Cottbus vier Tore. Das ist ihm selbst etwas peinlich: „Das mag für Außenstehende blöd aussehen, hat aber nichts mit Mirko zu tun.“ Sondern mit Mike. Eurofighter Büskens lässt Schalke wieder siegen.

Tränen und betrübte Mienen am 15. April 2015 in Dortmund. Jürgen Klopp erklärt auf einer Pressekonferenz seinen Abschied zum Saisonende unter dem Eindruck einer verkorksten Saison. Er ist der einzige, der das will, aber er findet er sei „nicht mehr der perfekte Trainer für diesen Verein:“ Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ruft ihm nach: „Der ewige Dank aller Borussen wird Dir gewiss sein.“

Der HSV hat wieder einen richtigen Trainer. Manager Peter Knäbel beendet sein erfolgloses Intermezzo (zwei Spiele, zwei Pleiten, 0:6 Tore) und präsentiert mal wieder Bruno Labbadia an der Elbe. Sechs Spiele hat er Zeit, den Abstieg 2015 zu verhindern.

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