4 Tore nach der Pause gegen Deutschland – Hollands ,,Fußball-Erfinder“ jubeln


Der Schlusspunkt in Hamburg: Georginio Wijnaldum (vorn) veralbert nach seinem Tor zum 4:2-Endstand die deutschen Fans. HInten: Donyell Malen.
Der Schlusspunkt in Hamburg: Georginio Wijnaldum (vorn) veralbert nach seinem Tor zum 4:2-Endstand die deutschen Fans. HInten: Donyell Malen. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Deutschland gegen Holland in Hamburg – das will einfach nicht passen. 31 Jahre nach dem legendären 2:1-Halbfinal-Erfolg bei der EURO 1988 in der BR Deutschland triumphiert die ,,Elftal“ erneut in einem Pflichtspiel in der Hansestadt gegen das DFB-Team. Und womit? Mit Recht!

Viele Experten hatten das 3:2 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im März 2019 in Amsterdam nach der komplett verhauenen WM 2018 schon als Wende zum Besseren gewertet. Dass es der deutschen Elf aber an Führungsspielern fehlt – und ohne den Langzeitverletzten Leroy Sané von Manchester City auch an spielerischer Raffinesse – bestätigt der Fußball-Abend in Hamburg am Freitag.

Die deutsche Mannschaft leistet sich zu viele Fehler im Spielaufbau, haarige Abwehrschwächen und warum mit Timo Werner und Marco Reus, die keineswegs geglänzt haben, in der Schlussphase 2 nominelle Stürmer raus gehen, weiß vermutlich nur Bundestrainer Joachim Löw (59).

Für die Holländer, die sich gern als ,,Erfinder“ des modernen Offensivfußballs (,,Voetbal total“) sehen, ist es eine Sternstunde. Heißt es nach der verpassten WM 2018 noch ,,Voetbal total am Ende“ (DER SPIEGEL), so ist Holland wieder obenauf. Insbesondere die bei internationalen Top-Klubs unter Vertrag stehenden Frenkie de Jong (FC Barcelona), Matthijs de Ligt, jetzt Juventus Turin, und Georginio Wijnaldum vom Champions-League-Sieger FC Liverpool spielten ihre hohe individuelle Klasse voll aus. Spieler dieses Kalibers kann ,,Die Mannschaft“ derzeit nicht aufbieten.

Deutschland reichte gegen die Niederlande eine 1:0-Pausenführung nicht aus...
Deutschland reichte gegen die Niederlande eine 1:0-Pausenführung nicht aus.... (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Niederländische Medien in Feierlaune

Frenkie de Jong ist schneller als Jonathan Tah und erzielt vorbei an Manuel Neuer das 1:1 für die Niederlande gegen Deutschland in Hamburg (2:4).
Frenkie de Jong ist schneller als Jonathan Tah und erzielt vorbei an Manuel Neuer das 1:1 für die Niederlande gegen Deutschland in Hamburg (2:4). (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)
Das wird natürlich gefeiert. Die ,,Oranje“-Fans haben zum Spiel in Hamburg neben viel guter Laune ihren Disco-Bus mitgebracht – und die niederländischen Medien feiern die Mannschaft von Bondscoach Ronald Koeman.

Der inzwischen 56-Jährige hat sich 1988 nach dem Erfolg in Hamburg demonstrativ mit dem mit Olaf Thon getauschten Trikot über den Hintern gewischt. Derartige Feinheiten bleiben den leidgeprüften deutschen Zuschauern am Freitagabend erspart. Nicht jedoch das verheerende Medienecho aus dem Nachbarland, wo nur Vize-Weltmeistertitel gesammelt wurden…

,,Oranje wirbelt Deutschland nach der Pause durcheinander“, schreibt die niederländische Zeitung De Telegraaf, ,,Koemans dominierende Mannschaft hat viel mehr Inhalt und Qualität als die Deutschen – Oranje verhindert eine Messer-an-die Kehle-Situation.

,,Holland nach einem Spektakel in Deutschland wieder dabei“, sieht es die belgische Zeitung Het Laatste Nieuws. AD weiß es etwas nüchterner einzuschätzen: ,,Dem 21. Juni 1988 kann er nicht das Wasser reichen, aber wieder ist Deutschland–Niederlande im Volksparkstadion von Hamburg ein denkwürdiges Spiel. Ein lebhafter Nachbarschaftsstreit, der durch Tumulte, Fehler und einen mitreißenden Fußball Farbe erhält, und Oranje einen hochverdienten 4:2-Sieg einbringt.“ Trouw blickt schon voraus. ,,Ein historischer Abend wie der von 1988 konnte es natürlich nicht werden, aber es wurde doch ein schöner wunderbarer Abend. Damals hatte Oranje im Hamburger Volksparkstadion auf dem Weg ins Finale die Hürde Deutschland gemeistert.“ Holland im Finale 2020 in Wembley? Nach Freitagabend in jedem Fall wahrscheinlicher als eine Endspiel-Teilnahme der ,,Mannschaft“…

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Aus! Schalke-Star Youri Mulder (l.) und die Niederlande nach dem Viertelfinale bei der EURO 1996 gegen Frankreich.

,,Deutschland wirkte müde"

1988: Die Wende in Hamburg: Ronald Koeman (Nr. 4) trifft für Holland gegen Deutschland zum 1:1.
1988: Die Wende in Hamburg: Ronald Koeman (Nr. 4) trifft für Holland gegen Deutschland zum 1:1. (Photo by Billy Stickland/Getty Images)

Dass Deutschland dabei offenbar ohne Abwehr spielt, würdigt das Kicker-Sportmagazin am Samstag online mit der entsprechenden Bewertung.

Matthias Ginter erhält für seine Abwehrleistung eine 5, Niklas Süle und Lukas Klostermann kommen mit einer 4 davon, Jonathan Tah ist mit Note 6 ein absoluter Ausfall…

Und sonst? Der eingewechselte Kai Havertz kann in diesem Prestige-Duell nicht den Nachweis erbringen, dass er mit einem Marktwert von 65 Mio. Euro der derzeit wertvollste deutsche Spieler der Bundesliga ist! Bester deutscher Spieler ist laut Kicker.de Toni Kroos (Note: 2,5), der ,,die Mannschaft“ mit einem Elfmeter-Geschenk zum 2:2 quasi am Ohr wieder in dieses Spiel holt.

,,Ein glücklicher Elfmeter für Deutschland“, befindet Europameister Steffen Freund bei RTL, ,,aber sie konnten dann nicht auf das 3. Tor gehen, sondern Holland ist danach aufs 3. Tor gegangen – und hat völlig verdient gewonnen.“ Triumphator Koeman: ,,Ich habe zur Halbzeit gesagt: Im Spiel bleiben, dran bleiben! Die Deutschen haben nach der Pause auf mich müde gewirkt und der Unterschied war, dass wir mehr für den Sieg getan haben als sie.“ Besser kann man es nicht formulieren. Ohne Dank!

Ligalive-Infografik: Niederlande - Bondscoach Ronald Koeman im Profil

Ligalive Live-Ticker - Nationale und internationale Spiele mit Autorefresh, ohne lästiges Aktualisieren

Ligalive-Infografik: Player Profile Georginio Wijnaldum, Niederlande

Ligalive TV: Fußball-Legende Didier Drogba über Mario Mandzukic