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Mit ihm wollte 1984 jeder jubeln: Uwe Rahn, Shooting-Star der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, nach dem Spiel in Köln gegen Schweden mit Torhüter Toni Schumacher (r.).

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Der ,,verschollene Nationalspieler” macht jetzt in Aktien

Aus der Reihe: ,,Ich trage einen großen Namen”. Der ,,verschollene Nationalspieler” hält bis heute einen Rekord im deutschen Fußball.

Am 17. Oktober 1984, fast exakt auf den Tag genau vor 35 Jahren, holt sich Uwe Rahn (57) einen einsamen Rekord.

Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach erzielt das schnellste Joker-Tor eines Debütanten in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Nach 19 Sekunden nach seiner Einwechslung für Felix Magath trifft der damals 22-Jährige mit seinem ersten Ballkontakt in Köln gegen Schweden und Torhüter-Legende Thomas Ravelli zum 1:0 (75.). Karl-Heinz Rummenigge (80.) erstellt den 2:0-Endstand. Es ist der erste Sieg unter dem neuen Teamchef Franz Beckenbauer im 2. Länderspiel nach der desaströsen EURO 1984 (Aus in der Vorrunde).

Seit diesem Abend gilt Rahn als Shooting-Star der deutschen Nationalmannschaft. Durchsetzen gegen Platzhirsche wie Rummenigge, Rudi Völler oder Dieter Hoeneß kann er sich in dieser Phase aber nicht. Bei der WM 1986 gehört er zwar zum DFB-Kader, bleibt aber in Mexiko ohne Einsatz. Eine Art Lars Ricken der 80er, denn der Dortmunder Jungstar ist 2002 der einzige Feldspieler, der in Rudi Völlers WM-Aufgebot für Asien nicht zum Zug kommt…Anders als Ditmar Jakobs im Gespräch mit Ligalive.net im September 2019 spricht Uwe Rahn über die WM 1986 in Mexiko, die aus deutscher Sicht aufgrund der Affäre um Torhüter Uli Stein haarig verläuft, im Interview mit dem DFB-Journal (Ausgabe 3 / 2019) sehr positiv über die Endrunde von damals.

,,Vor Ort”, erzählt er in Bensheim dem Autor Udo Muras, ,,war es ein überwältigendes und faszinierendes Erlebnis. So eine WM aus der Perspektive eines Spielers zu erleben – wer träumt nicht davon? Es war Wahnsinn!”

Sein legendäres Tor gegen Schweden schildert Rahn 35 Jahre danach im DFB-Journal dann so: ,,Es war ein Traum, den ich gar nicht geträumt hatte. Beim ersten Länderspiel mit dem ersten Ballkontakt das erste Tor zu erzielen – das ist schon sehr, sehr speziell.” Bis heute hat kein Debütant in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft schneller getroffen als Uwe Rahn.

Die Saison nach der WM in Mexiko macht er mit Borussia Mönchengladbach zum Erfolg. Platz 3, UEFA-Cup-Halbfinale und Uwe Rahn wird mit 24 Treffern Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga – und ,,Fußballer des Jahres” 1987.Besser werden die Dinge für Uwe Rahn, der 1980 als 18-jähriger Jungstürmer vom SV Waldhof Mannheim an den Gladbacher Bökelberg kommt, nicht mehr werden.

Als Nachfolger des zum AC Mailand gewechselten niederländischen Weltstars Ruud Gullit soll er 1987 zur PSV Eindhoven gehen – daraus wird nichts. Der Wechsel, der Rahn mutmaßlich zum Champions-League-Sieger von 1988 geführt hätte, scheitert an der zu hohen Gladbacher Ablöseforderung: 15 Millionen Mark wollen die VfL-Bosse für ihren Top-Torjäger. Heute allenfalls ein Sümmchen…

Rahn wechselt stattdessen 1988 zum rheinischen Erzrivalen 1. FC Köln, aber an die alten Tor-Werte kommt er auch unter Motivator Christoph Daum nicht mehr heran. Nur 7 Tore in 20 Spielen in der Vize-Meistersaison 1988/89 mit dem FC. Auch bei Eintracht Frankfurt ist 1992/93 mit Anthony Yeboah, ,,Euro-Eddy” Edgar Schmitt und Axel Kruse zu groß. Rahn wechselt 1993 zu den Urawa Red Diamonds nach Japan.

In den folgenden 25 Jahren entsteht dann das Gerücht, der irre Fußball-Mythos, vom ,,verschollenen Nationalspieler.” Rahn macht eine 2. Karriere als Börsen-Experte, verdient Geld mit Aktien, lebt mit seiner Frau in Belgien und Italien und weitab vom Fußball-Rummel – im bayerischen Landshut.

Wie das Gerücht, wonach er ,,verschollen” sein soll, entsteht, kann der 57-Jährige erklären: ,,Entstanden ist das Ganze nur, weil es einen Journalisten gab, der unbedingt etwas mit mir machen wollte. Ich wollte aber nicht. Und er hat zwar gebohrt und gebohrt, aber damit meine Meinung nicht geändert. Daraus wurde dann, dass ich verschollen sei. Und das, obwohl ich jederzeit greifbar war: In der Portas Fußballschule und regelmäßig in der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft.”


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