Nico Patschinski: Der Absturz des Weltpokalsieger-Besiegers



Nico Patschinski: Der Absturz des Weltpokalsieger-Besiegers

Nico Patschinski spielte unter anderem für Union Berlin.
Nico Patschinski spielte unter anderem für Union Berlin. Foto: Imago Images / Bernd König
Selten hat eine Fernsehsendung im Nachgang von Fußballübertragungen so sehr polarisiert wie Beckmanns Sportschule. Diese skurrile Geisterstunde aus dem deutschen WM-Quartier von 1974 in Malente mit dem gutmütigen Uwe Seeler, Muskelprotz Tim Wiese und dem „Bestatter“ Nico Patschinski lässt im EM-Sommer 2016 so manchen Zuschauer ratlos zurück. WAS will uns diese Werbesendung sagen???

Die Kritiker laufen Sturm gegen das von Reinhold Beckmann moderierte Format. „Wie viele Idiotien soll diese Welt noch aushalten?“, fragt etwa DER SPIEGEL. Und mittendrin in dieser surrealen Inszenierung: Nico „Patsche“ Patschinski. Der Ex-Profi, bei fast einem Dutzend Klubs unter Vertrag, gibt sein Debüt als Schauspieler. Wobei es nicht einer gewissen Ironie entbehrt, dass Patschinski sich als „Bestatter“ quasi selbst spielt. Beerdigungs-Unternehmer – In dieser krisensicheren Branche arbeitet der gebürtige Ost-Berliner seit 2015. Seit 2018 fährt Patschinski fast nur noch Bus. Er hat, inzwischen in Hamburg wohnhaft, eine Ausbildung zum Linienbus-Fahrer bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Schleswig-Holstein absolviert. In der Hansestadt, beim FC Schnelsen, hat er Anfang 2015 auch ein (letztes) erfolgloses Engagement als Trainer.

Patschinskis Karriere hat mehrere Sargnägel. Hatte Patschinski als Ex-Spieler von Dynamo Dresden bei seinem Wechsel zum SV Babelsberg 03 im Sommer 1998 noch ein problematisches Verhältnis mit den Fans, so offenbart er ab 2006 beim 1. FC Union Berlin eine, gelinde gesagt, eigenwillige Beziehung zum Geld. „Was ich mit meiner Kohle mache, ist mein Ding. Ob ich mir damit den Arsch abwische, es verspiele oder verbrenne. Es ist ja nur Geld“, entgegnet er den Kritikern, die ihn spätestens seit 2007 als spielsüchtig ansahen.

Mit 10.000 Euro monatlich Spitzenverdiener bei den „Eisernen“ – Patsche wäre nicht Patschinski, wenn er diese Problematik nicht herunterspielen würde. „Unions Sportdirektor Christian Beeck meinte 2007, ich sei spielsüchtig und krank, brächte meine Leistung nicht. Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon in allen Spielbanken sperren lassen, da ich zu viel verloren hatte, ich war damals nicht spielsüchtig und bin es auch heute nicht. Ich hab nur ein bisschen Karten gespielt und gewettet“, sagt er im März 2016 dem Berliner Kurier. Dass er an einem Benefiz-Pokerturnier des verhassten Ost-Berliner Rivalen BFC Dynamo teilnimmt, bringt ihm eine Abmahnung und 5.000 Euro Strafe.

Anti-Union-Parolen und eine wilde Party-Nacht mit Dynamo reichen den Verantwortlichen, um Patschinski fristlos und wegen „vereinsschädigendem Verhalten“ zu kündigen. Als der Vertrag im Juli 2009 schließlich nach langem Hin- und Her aufgelöst wird und rund 130.000 Euro Abfindung fällig sind, atmet Unions Präsident Dirk Zingler auf: „Wir sind froh, dass dieses Kapitel beendet ist.“

Für Patschinski geht der freie Fall weiter. Ab 2009 spielt er bei Dynamo Berlin. Weil er Geld braucht. Eine aufwändige Hausfinanzierung in Wandlitz und die Scheidung von seiner Frau reißt ihn rein. 2011 geht er selbst beim in der Oberliga Südwest ein Schattendasein fristenden Ex-Bundesligisten Borussia Neunkirchen im Unfrieden. Der Klubchef des niedersächsischen SC Empelde wird für „Patsche“, der zwischendurch als Caterer und Paketbote arbeitet, zum Insolvenzberater.

Trotz aller Turbulenzen: Den zweiten Treffer für den FC St. Pauli beim 2:1 gegen den FC Bayern München am 6. Februar 2002 im kurz darauf als „Weltpokalsieger-Besieger“-Spiel unvergessen gewordenen Match in der Fußball-Bundesliga nimmt ihm keiner mehr.

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