Robert Enke: Der Wechsel zum FC Barcelona war ein großer Fehler



Robert Enke: Der Wechsel zum FC Barcelona war ein großer Fehler

Robert Enke bei seiner Präsentation beim FC Barcelona am 25. Juli 2002 mit Trainer Louis van Gaal (r.).
Robert Enke, Trainer Louis van Gaal. Foto: Imago Images / Cordon Press / Miguelez Sports
Seinen ersten Auslandswechsel vollzog der damals 21-jährige Torhüter Robert Enke 1999 und nach dem historisch-ersten Abstieg von Borussia Mönchengladbach aus der Bundesliga.

Enke ging nach Portugal – zu Benfica Lissabon. Unter Trainer Jupp Heynckes wurde er zum Leistungsträger und Mannschaftskapitän. Lissabons Traditionsclub erzielt allerdings in den folgenden drei Spielzeiten nur mittelmäßige Ergebnisse.

Insgesamt kam Enke in Diensten von Benfica auf 28 Einsätze. In diesen Spielen blieb er acht Mal ohne Gegentor.

2002 wechselte Enke in die Primera División zum FC Barcelona. Beim eigenwilligen niederländischen Trainer Louis van Gaal war er jedoch von Anfang an nicht gefragt. Enke wurde nur in einem Pokalspiel, in zwei Champions-League-Spielen und lediglich ein Mal in einem Ligaspiel eingesetzt. Im riesigen Estadio Camp Nou sahen die „Barca“-Fans den deutschen Torhüter nur ein einziges Mal: Im Champions-League-Heimspiel am 13. November 2002 (3:1).

 

Ausleihgeschäft leitete Enkes Niedergang ein

Für den in Barcelona unglücklichen Keeper wurde ein Ausleihgeschäft im Sommer 2003 mit dem türkischen Verein Fenerbahçe Istanbul und seinem deutschen Trainer Christoph Daum zum absoluten Desaster. Das erste Spiel mit Enke ging verloren, worauf ihn die eigenen Fans mit Gegenständen bewarfen und ausbuhten. Daraufhin löste Enke entnervt seinen Vertrag auf und stand mit 25 Jahren in der Vereinslosigkeit.

Obwohl er formal noch bei Barcelona unter Vertrag stand, ließ er sich im Januar 2004 in die spanische Zweite Liga ausleihen. Im Sommer 2004 kehrt Enke in die Bundesliga zurück, er wechselte zu Hannover 96. Von Beginn an gehörte er zu den Eckpfeilern in der Mannschaft.

2006 und 2009 wurde er von den Bundesligaspielern in Umfragen des Fachmagazins Kicker zum „Torhüter des Jahres“ gewählt. Ab 2007 ist Enke Kapitän der Mannschaft von Hannover 96. Dort verlängerte er erstmals in seiner Karriere einen Profivertrag. Der Gladbach-Abstieg, die Leidenszeit bei „Barca“ und in Istanbul, Schatten auf der Seele des Menschen Robert Enke, alles das scheint überwunden zu sein.

 

Schwerer Stand in der Nationalmannschaft

In Diensten von Hannover 96 wurde Enke 2006 vom neuen Bundestrainer Jürgen Klinsmann in die deutsche Nationalmannschaft zurückgeholt, für die er zuvor zwar häufiger ohne Einsatz nominiert war. Für die Heim-WM berief ihn Klinsmann trotzdem nicht. Er setzte auf die Rivalen Oliver Kahn und Jens Lehmann sowie auf Timo Hildebrand als dritten Torhüter.

Nach der WM kehrte Enke zunächst wieder in den Kader der Nationalmannschaft zurück, er blieb jedoch nur Ersatztorwart. Erst im März 2007 gab er sein Länderspieldebüt in einem Freundschaftsspiel gegen Dänemark (0:1) unter Bundestrainer Joachim Löw. Sein erstes Pflichtspiel für Deutschland machte er am 6. September 2008 in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein. Das Qualifikationsspiel gegen die russische Fußballnationalmannschaft im Oktober 2008 musste er jedoch wegen einer Handverletzung absagen.

Erst Ende März 2009 kehrte er für das Rückspiel gegen Liechtenstein – nunmehr nach einer Verletzung seines Konkurrenten René Adler – zur Nationalmannschaft zurück. Insgesamt hütete er in fünf von elf Spielen der Nationalmannschaft in der Saison 2008/2009 das Tor. Sein letztes Länderspiel war das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan am 12. August 2009 (2:0). Die Rückspiele gegen Aserbaidschan (9. September 2009) sowie gegen Russland und Finnland (10. und 14. Oktober 2009) sollte Enke nicht bestreiten. Sein Ausfall wurde damals mit einer bakteriellen Infektion begründet. Im Nachhinein gab Enkes Vater jedoch bekannt, dass der tatsächliche Grund Depressionen gewesen seien.

Am 10. November 2009 nahm sich Enke an einem Bahnübergang im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge-Eilvese, unweit seines Wohnorts Himmelreich, durch Schienensuizid das Leben.

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