Bundesliga-Geschichte – Elton John will die Fohlen kaufen und Bayern verliert am Bökelberg


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 01. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Der Klassiker der Siebziger wird 1975 zum Sitzenbleiber. Auch im zweiten Anlauf fällt die Partie zwischen dem aktuellen und dem kommenden Meister aus. Bayern und Gladbacher können nicht spielen, weil in München selbst im April 1975 Schnee fallen kann. Die Ränge sind nicht so schnell zu räumen wie der heizbare Rasen, erstmals fällt im Olympiastadion ein Spiel aus.

Zwei Weltmeister machen die Liga am 01. April 1978 noch spannender als sie schon ist. Bernd Hölzenbein schießt Frankfurt zum 1:0-Sieg in Köln, Jupp Heynckes erzielt das einzige Tor beim Spiel seiner Gladbacher Borussia in Saarbrücken. Damit sind Köln und Gladbach drei Spieltage vor Saisonende 1977/78 punktgleich. Umso langweiliger ist der Abstiegskampf, wo nach dem 0:2 im Kellerderby bei Werder Bremen der TSV 1860 München den FC St. Pauli in die 2. Liga begleitet. Spielentscheidend ist womöglich auch ein Hörfehler des Linienrichters. Löwe Hans Haunstein will in der 63. Minute „Abseits“ gerufen haben, was sich für den Mann an der Linie aber wie „Du alter Penner“ angehört hat. Angeblich. Wie das? Löwen-Trainer Heinz Lucas weist vergeblich darauf hin, dass Haunsteins Wiener Dialekt etwas schwerer verständlich für deutsche Ohren sei.

Elton John kauft Borussia Mönchengladbach. Eine ganz spezielle Nachricht am 01. April 1989.
Elton John kauft Borussia Mönchengladbach. Eine ganz spezielle Nachricht am 01. April 1989. Foto: Imago Images

01. April 1989: Gladbachs Schuldenberg animiert zum Aprilscherz

SC-Freiburg-Trainer Volker Finke wurde 1995 Opfer eines Aprilscherzes. Zum Glück musste er nicht zurück in den Schuldienst, sondern blieb den Freiburgern noch bis 2006 erhalten. Copyright: Imago images

1989 ist noch nicht die Zeit der Oligarchen und Heuschrecken im Fußball, nicht mal der Kapitalgesellschaften. Da schlägt die Nachricht, die ZDF-Reporter Rolf Töpperwien im Sportstudio verbreitet, wie eine Bombe ein. Rock-Sänger Elton John erklärt sich vor seinem Mikrofon bereit, Borussia Mönchengladbach auf einen Schlag zu entschulden. Während die Kunde über Bayerns erste Saisonniederlage 1988/89 am Bökelberg (1:2) echt ist, entpuppt sich die Sache mit dem Retter aus England als Aprilscherz. Den wünscht sich auch Leverkusens Manager Reiner Calmund nach der 1:3-Heimpleite gegen Kickers Stuttgart. „Ich warte immer noch auf einen, der kommt und sagt: ‚April, April‘, das Ergebnis zählt nicht.“ Stattdessen kommt Trainer Rinus Michels in die Kabine und verdonnert die Loser zu je 1000 DM Geldstrafe.

Das Ende der vierjährigen Bundesligaära von Dynamo Dresden naht am 01. April 1995. Bei Aufsteiger 1860 München setzt es die nächste Pleite für das Schlusslicht 1994/95 (1:3), am stärksten in der Kritik steht anno allerdings der Präsident. Die Opposition schaltet Anzeigen in der Lokalpresse: „Wer jetzt nicht handelt, macht sich schuldig. Herr Otto, wir trauen Ihnen nicht mehr.“

Auch 1995 haben April-Scherze in Mönchengladbach Hochkonjunktur. Nach Freiburgs 2:1-Sieg am Bökelberg trübt TV-Sender Premiere die Freude mit der „Nachricht“, Trainer Volker Finke müsse nach der Saison zurück in den Schuldienst. Heute wissen wir: er ist noch lange Fußballlehrer…

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01. April 2017: Ein Revierderby wird zum Maskenball ...

Thorsten Schiffner, Deniz Aytekin, Schiedsrichter
Linienrichter Thorsten Schiffner mit Schiedsrichter Deniz Aytekin vor der Becherwurf-Attacke in St. Pauli 2011. Aytekin bricht die Partie gegen Schalke nach dem Wurf sofort ab. Copyright: imago images /HochZwei

Erstmals seit 1976 wird am 01. April 2011 in der Bundesliga wieder ein Spiel wegen Fanausschreitungen abgebrochen. Auf St. Pauli fliegt zwei Minuten vor Schluss der Partie gegen Schalke ein voller Bierbecher an den Hinterkopf von Linienrichter Thorsten Schiffner, der zusammensackt und im Krankenhaus behandelt werden muss. Schiedsrichter Deniz Aytekin bricht sofort ab. Praktischerweise steht die Partie so, wie Abbruchspiele gewertet werden wenn der Verursacher zu ermitteln ist: 0:2. Der Täter wird nie ermittelt, ein zunächst zu einer Geldstrafe verurteilter 46jähriger wird drei Jahre später (!) in zweiter Instanz freigesprochen – die Zeugenaussagen widersprechen sich zu sehr.

Maskenball beim Revierderby (1:1) 2017. Nach seinem Tor auf Schalke setzt sich Dortmunds exzentrischer Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang eine Maske auf, mit der er keineswegs zufällig eine Werbeaktion von Ausrüster Nike unterstützt. Richtiger Ausrüster, falscher Zeitpunkt, findet BVB-Geschäftsführer Watzke, der „Auba“ zu einer Geldstrafe verdonnert und auch den Sponsor kritisiert. Es könne nicht sein, „dass Nike auf diese Weise versucht, ökonomische Interessen durchzusetzen.“ Das Bild des wieder mal aufregenden Tages liefert allerdings Schalke-Maskottchen Erwin, das Schiedsrichter Felix Zwayer die Rote Karte zeigt. Es ist nicht seine eigene, ein Fan hat sie aufs Feld geworfen.

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