Bundesliga-Geschichte – Als Bayern die Schalker Busfahren ließ …


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 09. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Das durchschnittliche Bundesligaspiel hat an diesem April-Tag 1977 acht Tore. Es gibt allerdings nur eins und das hat auch Bundestrainers Helmut Schön allerhand zu bieten. Schalke 04 gewinnt sein vorgezogenes Spiel bei Abstiegskandidat Karlsruher SC mit 7:1. Zur höchsten Bundesligaheimpleite des KSC steuert der kommende Nationalstürmer Klaus Fischer drei Tore bei, doch selbst 20 Saisontreffer reichen zu Gerd und Dieter Müllers Zeiten nicht zu Platz 1 in der Torjägerliste. Dafür bewirkt Fischer, dass die Kehle von KSC-Präsident Roland Schmider trocken bleibt. Der hatte angekündigt: „Wenn wir heute gewinnen wird aber ein großer Schluck zur Brust genommen.“

Bis zu diesem Tag anno 1983 dürfen sich Torhüter noch ungestraft Notbremsen außerhalb des Strafraums leisten. Nach einer Regelverschärfung ist es damit vorbei und in Bochum greift sie erstmals. Stuttgarts Helmut Roleder wird auch die Nummer 1 der Torwart-Rotsünder nach Notbremse – gegen den Bochumer Christian Schreier. Die Karte zückt Hans-Peter Dellwing. Vergebens moniert VfB-Trainer Helmut Benthaus, es sei doch „eine humane Notbremse“ gewesen. Der Kicker stellt sich auf seine Seite: „Diese Regel ist nicht neu. Dass sie einmal praktiziert wurde, ist geradezu sensationell.“

In die Kategorie „selbst schuld“ fällt dagegen die Gelb-Sperre für Bayerns Flügelflitzer Calle Del’Haye. Der schießt gegen seinen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach zwar ein Tor, holt sich aber die vierte Gelbe ab, weil er dem Linienrichter seinen gewechselten Schuh nicht vorgezeigt hat. Bayerns Gnadengesuch – Del’Haye habe die Rufe des Linienrichters nicht gehört im weiten Rund – wird abgelehnt. Bayern-Dusel ist auch nicht alle Tage…

Die Anzeigetafel im Olympiastadion München verkündet das rekordverdächtige End-Ergebnis von 8:1 für den FC Bayern München gegen den FC Schalke 04. Copyright: Imago images

09. April 1988: Mill mopst den Ball und Schalke fährt Bus ...

Frank Mill, Dortmund
Borussia Dortmund - Hannover 96: Frank Mill (re., BVB) erzielt das 2:1 nachdem er Torwart Ralf Raps (Hannover) zuvor den Ball aus der Hand gespitzelt hat. Copyright: Imago images

Frank Mill ist ein Schlitzohr, das weiß am 09. April 1988 längst jeder. Ab und zu muss er es mal wieder beweisen, wie im Heimspiel seiner Dortmunder gegen Hannover 96. Er schleicht sich von hinten an 96-Torwart Ralf Raps und köpft ihm den Ball beim Abschlag aus der Hand, schießt ihn dreist ins Tor. Der Treffer zählt, dank praktizierter Nächstenliebe. Raps: „Ich hätte ja auch durchtreten können, aber mir war in dem Moment der Kopf von Frank Mill wichtiger als das Gegentor.“ Immerhin nimmt 96 noch einen Punkt mit (3:3).

Schlimmer ergeht es den Schalkern, die bei den Bayern ihre dritthöchste Bundesligapleite erleiden (1:8). Trainer Horst Franz ist so sauer, dass er den geplanten Rückflug streichen lässt. Auf der weit längeren Busfahrt sollen die Loser über ihre Leistung nachdenken und wie so was nach 1:0-Führung überhaupt passieren kann. Schalke ist Letzter.

Auch der 1. FC Nürnberg hat 1990 seine Spiegel-Affäre. Das Nachrichtenmagazin veröffentlicht ein Interview mit Trainer Hermann Gerland, das ihm plötzlich ziemlich leid tut. „Ich hätte das Erscheinen dieses Artikels verhindern müssen“, sagt er, als er schon kein Trainer mehr ist. Sätze wie „Der hätte seine Glatze nicht so oft in die TV-Kamera halten sollen“ über Präsident Gerd Schmelzer sind zwar typisch für den grundehrlichen Ruhrpottler, aber für eine gedeihliche Zusammenarbeit nicht förderlich. Der „Tiger“ fliegt am selben Tag.

VfB Stuttgarts Stürmer Fredi Bobic erfindet beim Spiel in Frankfurt am 09. April 1996 eine neue Schiedsrichterbeleidigung. Für ihn ist Werner Kasper, dessen Namen auch zu anderen Varianten hätte verführen können, „eine blinde Bratwurst“. Einen Kreativbonus gibt es auch 1996 nicht: Er sieht die fünfte Gelbe Karte und wird für ein Spiel gesperrt.

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09. April 2005: VfB bereut Kuranyi-Verkauf

Kevin Kuranyi , Schalke
Kevin Kuranyi lässt Stuttgart 2005 seinen Verkauf bereuen, in dem er gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber Schalke einen Hattrick versenkt. Copyright: imago images /Bernd König

Selten ist eine eigentlich richtige Transferentscheidung für alle Seiten schmerzlicher als an diesem April-Samstag 2005. Seit 556 Minuten hat Stuttgarts Nationalstürmer Kevin Kuranyi nicht mehr in der Liga getroffen, Titelaspirant Schalke kauft ihn trotzdem. Und baut ihn wohl nicht ganz freiwillig noch im VfB-Dress wieder auf: beim 3:0 für Stuttgart schießt er alle Tore. Das schmerzt auch manchen VfB-Fan.

Am 09. April 2011 bemühen die Medien wieder das Bild vom fliegenden Holländer. Bayern München trennt sich am Abend nach einem 1:1 in Nürnberg und nach wochenlangen Querelen von Trainer Louis van Gaal. Der allzu selbstbewusste Niederländer hat demonstrativ Torwart Thomas Kraft als neue Nummer 1 aufgebaut, obwohl Bayern längst Manuel Neuer verpflichtet hat. Kraft leistet sich in Nürnberg den nächsten Patzer, Routinier Hans-Jörg Butt schmort auf der Bank. „Mit der Entscheidung ging die ganze Scheiße los“, zürnt Präsident Uli Hoeneß, van Gaals Intimfeind. Auf Platz vier muss Bayern ernstlich um die Teilnahme an der Champions League und sein „Finale dahoam“ im Mai 2012 fürchten. Van Gaal verabschiedet sich noch auf der Rückfahrt aus Nürnberg von der erleichterten Mannschaft.

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