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So teuer wird der Bayern-Umbau wirklich


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN TEXTEN

Der FC Bayern braucht eine Rundumerneuerung - oder doch nicht?

Kann "King Kahn" nur im TV über Fußball sprechen oder auch neu strukturieren?
Kann "King Kahn" nur im TV über Fußball sprechen oder auch neu strukturieren? Foto: Imago Images
Transfers. Das war in München stets ein Fall für die alten Männer des FC Bayern. Aber: Sie haben ihren Dienst für den Rekordmeister getan und gehen nach und nach von Bord.

Uli Hoeneß ist im November 2019 nach 40 Jahren als Manager und Präsident verabschiedet worden. Ein Mann mit unglaublichem Herzblut für den FC Bayern – und einem unschlagbaren Instinkt für die richtigen Transfers. Karl-Heinz Rummenigge, sein Adlatus, wird 2022 als Vorstandschef zurücktreten und für Oliver Kahn Platz für einen machen. Die schwierigste Aufgabe hat für den Vorstands-Rookie längst schon begonnen: Der Neuaufbau des Bayern-Kaders. Der „Titan“, seit Januar 2020 dem Vorstand des FC Bayern München angehörend, muss den dringend erforderlichen personellen Umbruch beim Branchenführer des deutschen Fußballs weiter forcieren.

Seine wichtigsten Helfer auf dem Weg, den FC Bayern auf dem Transfermarkt in die 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts zu führen, sind Sportdirektor Hasan Salihamidzic, im Folgenden auch „Brazzo“ genannt, und Trainer Hans-Dieter Flick.

Die von Uli Hoeneß im Mai 2019 mit „Wenn Sie wüssten, wen wir für die neue Saison schon alles sicher haben“ allzu vollmundig angekündigte Transfer-Offensive nach der gerade noch gegen Borussia Dortmund verteidigten Deutschen Meisterschaft blieb aus! Das mag viele Fans des deutschen Rekordmeisters verwundert haben, aber es gibt eine Menge Gründe dafür. Wir versuchen, diese in diesem Dossiers darzulegen und zu schildern, warum Bayern eben längst niemanden mehr „sicher hat“.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Nübel und die Torhüter-Diskussion, die keiner brauchte

Manuel Neuer (r.), unumstrittener Führungsspieler beim FC Bayern, guckt hier im Spitzenspiel gegen RB Leipzig eine Top-Chance von Timo Werner ins Aus.
Manuel Neuer (r.), unumstrittener Führungsspieler beim FC Bayern, guckt hier im Spitzenspiel gegen RB Leipzig eine Top-Chance von Timo Werner ins Aus. Foto: Imago Images

Ivan Perisic, Philippe Coutinho und Michael Cuisance – das war sie, die „Transferoffensive“ des FC Bayern München für die Saison 2019/2020. Allenfalls ein Offensivchen. Coutinho und Perisic sind ordentliche Spieler, aber keine Wunschlösungen. Dazu wird 2020 Alexander Nübel kommen, um Weltmeister Manuel Neuer maximal zu „irritieren“.

Wenn Jens Lehmann im Frühjahr nach dem Spitzenspiel FC Bayern gegen RB Leipzig (0:0) bei SKY90 sagte, dass „Manuel Neuer Konkurrenz braucht, damit er besser wird“, dann ist das seine exklusive Meinung. Denn eine echte Konkurrenz zu dem 2011 ebenfalls von Schalke 04 verpflichteten, immer noch besten Torhüter der Welt ist Nübel nicht. Neuer ist für den FC Bayern als Führungsspieler unverzichtbar und Debatten um seine Vertragsverlängerung waren im Frühjahr 2020 unnötige Störfeuer.

Bleiben wir mal dabei, wen der FC Bayern „alles sicher hatte“. Eigentlich nur Lucás Hernández von Atlético Madrid, dessen 80 Mio. € Wechsel nach München (Bundesliga Transfer-Rekord damals) schon im Dezember 2018 feststand und Benjamin Pavard, der wenig später fest verpflichtet wurde. Wer danach glaubte, die Münchner würden ihr berühmtes Festgeld-Konto plündern, um nach den 110 Millionen Euro für die beiden französischen Weltmeister weitere Hochkaräter zu verpflichten, der irrte. Die von den Bayern getätigten Transfers waren allesamt Last-Minute-Buchungen. Philippe Coutinho vom FC Barcelona wurde mit 8,5 Mio. Euro teuerste Leihgabe der Bundesliga-Geschichte und auch der kroatische Vize-Weltmeister Ivan Perisic, zuvor in der Liga schon bei Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg am Ball, kam nur auf Leihbasis.

„Jetzt ist unser Kader so komplett und so gut aufgestellt, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß bereits im September 2019 bei Sky Sport und ergänzte: „Wir hatten Anfang Juli einen zu kleinen Kader. Den haben wir jetzt durch drei Transfers in den letzten Tagen und Wochen aufgefüllt – und ich meine auch mit Qualität aufgefüllt.“

Ligalive Infografik: FC Bayern München - Team Profile

Die Saison 2019/20: Von den schlechtesten Bayern seit 2012 zum Triple 2.0?

Hans-Dieter Flick übernimmt den FC Bayern München am 5. November 2019 als Interimstrainer.
Hans-Dieter Flick übernimmt den FC Bayern München am 5. November 2019 zunächstals Interimstrainer. Foto: Imago Images

Wirklich? Diesen Beweis mussten die Bayern nach der Trennung von Niko Kovac am 3. November 2019 erst einmal erbringen. „So gut aufgestellt“, das gilt mit Sicherheit für die Bundesliga, wo man unter Hansi Flick zunächst die Tabellenführung zurückeroberte, um dann eine epische Siegesserie zu starten, wie sie vorher nur Jupp Heynckes (2012/13) und Pep Guardiola etwas später gelungen war. Am 32. Spieltag sicherte sich der Klub mit einem 1:0 bei Werder Bremen die achte Deutsche Meisterschaft in Folge, die dreißigste insgesamt. Ein Rekord, den in den fünf großen europäischen Ligen bisher nur Juventus Turin geschafft hat.

55 Punkte nach 25 Spielen bedeuteten bis zum Corona-Lockdown Mitte März 2020 die schlechteste Ausbeute der Bayern seit der Triple-Vize-Saison 2011/2012. 76 Punkte nach 32 Spielen mit 93 erzielten Toren sehen hingegen schon wieder nach einem neuen Rekord der Bundesliga-Bayern aus.

International ist dagegen noch gar nichts bewiesen. Denn heilfroh konnten die Bayern sein, dass sie noch vor der Corona-Krise mit dem 3:0 beim FC Chelsea in London gegen einen in allen Belangen unterlegenen Gegner den Grundstein für das Champions-League-Viertelfinale legen konnten. Ein neuerlicher K. o. im Achtelfinale wie 2019 – 0:0 und 1:3 gegen den FC Liverpool – wäre fatal gewesen. Vor allem, „in der Wahrnehmung, dass wir dieses internationale Top-Niveau noch nicht wieder erreicht haben“, wie Nationalspieler Joshua Kimmich es in einem Kicker-Interview formulierte.

Der Lackmus-Test auf internationales Top-Niveau, der Beweis, dass der FC Bayern wieder mit Manchester City, dem FC Liverpool, Real Madrid, Paris St. Germain, Barca und Juve mithalten kann, ist noch nicht erbracht. Denn die Erfolge unter Hansi Flick in der Bundesliga können noch nicht verdecken: So wie sich der Bayern-Kader in der Hinrunde der Saison 2019/2020 präsentiert hat, bedarf es weiterhin einer kompletten Runderneuerung der Mannschaft.

Diese haben die Münchener im Sommer 2019 nicht hinbekommen. Sie hatten halt keinen Transfer „sicher“ für die neue Saison und haben auch keinen wirklichen Top-Transfer, der dem Verein dauerhaft hilft. Mal abgesehen vom dem Transfer auf der einzigen Position, auf der keine Not bestand – der Torhüter-Position.

Und in Transferdingen scheint sich der Verein nicht einig zu sein. Während der “Titan” bei Neuverpflichtungen Covid-19 bedingt eher auf der Bremse zu stehen scheint, will Hasan Salhamidzic die Runderneuerung des Kaders. Trotz oder wegen der Verwerfungen, die Covid-19 im internationalen Fußball allgemein und bei den Transfersummen im speziellen auslöst. So uneinig die Klubführung noch bei den Neuzugängen ist, so einig scheint man sich bei den Abgängen zu sein.

Und auch Hansi Flick will mehr Qualität in der Breite, insbesondere einen Ersatz für Robert Lewandowski und mehr Power auf den Flügeln. Das muss ohne Timo Werner geschehen, der sich für Chelsea London entschieden hat und für eher magere 50 Mio. € auf die Insel wechselt.

Ligalive Infografik: Der FC Bayern in der Saison 2011/12

Die Streichliste: Diese 10 Spieler sollen, wollen und werden deshalb wohl gehen (Spieler 10 - 6)

Coutinho, Bayern, Barca
Kehrt Coutinho nach Liverpool zurück? Barcelona soll bereit sein, ihn zum Dumpingpreis abzugeben ... Copyright: Imago images

Bayern München Transfers – Wir teilen die Abgänge des FC Bayern in 2 Grupen auf. In Gruppe 1 (Streichliste Spieler 10 – 6) sind die Spieler, die nach Ende der Saison 2019/20 den Verein verlassen sollen.

In der Gruppe 2 (Streichliste Spieler 5 – 1) sind die Spieler, die den Verein verlassen wollen und die der Verein bei einem guten Angebot auch ziehen lassen würde. Sie müssen aber nach Vereinsansicht nicht den Verein verlassen.

Zum Teil ist das Schicksal der Spieler auf der Streichliste Teil der “Wheeling und Dealing” Aktivitäten von Oliver Kahn, Hansi Flick und Hasan Salihamidzic.

Spielertausche sind in Covid-19 Zeiten auch beim FC Bayern nicht ausgeschlossen. Gibst Du mir Deinen Super-Forward, dann gebe ich Dir meine Abwehrkante. Da kann Thomas Müller sich gerne über Tranfers in zeiten von gehaltskürzungen beschweren. Die Bayern der Saison 2020/21 sollen und werden einen anderen Kader haben, einen Kader wie Hansi Flick ihn sich vorstellt. Wer kann einem Trainer mit der besten Bilanz aller Bundesliga-Trainer (Quotient aus Gewonnene Spiele zu absolvierte Spiele) schon etwas abschlagen? Vor allem, wenn sich die Wünsche im machbaren finnaziellen Rahmen halten. Vom netten Aushilfs-Hansi zum Machtzentrum an der Säbener Strasse in etwas mehr als sechs Monaten – Respect.

10. Alvaro Odriozola – Rückkehr zu Real ist sicher

Eine wirkliche Freundschaft ergab sich zwischen Alvaro Odriozola (r., mit „Brazzo“ Salihamidzic) und dem FC Bayern nicht…
Eine wirkliche Freundschaft ergab sich zwischen Alvaro Odriozola (r., mit „Brazzo“ Salihamidzic) und dem FC Bayern nicht… Foto: Imago Images

Alvaro Odrioziola. Alvaro, wer? Die Leihgabe von Real Madrid wird nach Saisonende definitiv wieder ins Bernabeu zurückkehren.

Das bestätigte der Rechtsverteidiger im Mai 2020 gegenüber spanischen Medien. Odriozola war erst im Januar 2020 von den Münchnern ausgeliehen worden. Der Erinnerungswert an den viermaligen Nationalspieler Spaniens dürfte sich bei den Bayern-Fans in Grenzen halten.

In der Bundesliga kam Odriozola bis zum Corona-Shutdown im März 2020 nur ein einziges Mal zum Einsatz, beim 3:2-Heimkrimi gegen Aufsteiger SC Paderborn.

„Die Leihe ist ohne Kaufoption, ich kehre nach Madrid zurück“, sagte Odriozola am 7. Mai 2020 in der spanischen Fußball-Talksendung Chiringuito de Jugones, „Zidane wollte nicht, dass ich Madrid verlasse. Es ist schön, dass eine Figur wie er mehr an mich gedacht hat als an sich selbst. Er ist ein großartiger Trainer und ein großartiger Mensch.“

9. Javi Martinez – Noch ein Spanier ohne Zukunft

Javi Martinez hatte beim FC Bayern, wie hier 2018, auch großes Verletzungspech.
Javi Martinez hatte beim FC Bayern, wie hier 2018, auch großes Verletzungspech. Foto: Imago Images / Jan Huebner
Javi Martinez kam 2012 und noch vor der Verpflichtung von Trainer Pep Guardiola nach München.

40 Millionen, die man an Athletic Bilbao überwies, bedeuteten am 29. August 2012 einen neuen Bundesliga-Transferrekord. Martinez, amtierender Europameister aus Spanien, erfüllte nur in seiner Premieren-Saison beim FC Bayern München die hohen Erwartungen.

Im „Triple-Jahr“ 2012/2013 machte er, noch unter Jupp Heynckes, 27 Bundesliga-Spiele und sorgte für hohe Stabilität im defensiven Mittelfeld. Eine hohe Verletzungsanfälligkeit – unter anderem setzte ihn 2014/2015 ein Kreuzbandriss für 43 Pflichtspiele matt – warf Martinez immer wieder zurück.

In der Saison 2019/2020 konnte sich Martinez weder in der Innenverteidigung, noch auf der angestammten Sechserposition nachhaltig für eine Vertragsverlängerung über 2021 hinaus empfehlen. Wie SPORT BILD schon im April 2020 berichtete, gehört er zu den drei Spielern, die den Rekordmeister am Saisonende 2019/2020 unbedingt verlassen sollen. Sogar die Freigabe habe man dem ehemals teuersten Spieler der Liga-Historie schon erteilt.

8. Corentin Tolisso – Kein Platz mehr für den Weltmeister?

Was sind die Fan-Fotos von Corentin Tolisso ab Sommer 2020 wert?
Was sind die Fan-Fotos von Corentin Tolisso ab Sommer 2020 wert? Foto: Imago Images / Philippe Ruiz
Auch französische Weltmeister Corentin Tolisso hat seine Zukunft an der Säbener Straße wohl hinter sich.

SPORT BILD sah ihn am 8. April 2020 unter den drei Spielern, denen der FC Bayern auf jeden Fall die Freigabe erteilen wird. Damit wird Tolisso neben Jérome Boateng und Javi Martinez zum Top-Streichkandidat auf dem Weg zum Neuaufbau erklärt.

Der Kontrakt des 2017 für 41 Mio. Euro von Olympique Lyon verpflichteten Mittelfeldspielers läuft noch bis 2022. Juventus Turin ist einer von vielen Interessenten, die immer wieder genannt werden.

7. Philippe Coutinho – Kaufen ist keine Option!

Philippe Coutinho verhandelt angeblich mit dem FC Chelsea.
Philippe Coutinho verhandelt angeblich mit dem FC Chelsea. Foto: Imago Images / Sven Simon

Mit Philippe Coutinho vom FC Barcelona holte der FC Bayern kurz vor Sommer-Transferschluss 2019 den teuersten Leih-Spieler der Bundesliga-Geschichte.

8,5 Mio. Euro Leihgebühr zahlte man für den Brasilianer an „Barca“. Die Kaufoption in Coutinhos Vertrag, der zum 30. Juni 2020 ausläuft, wird auf 120 Mio. Euro beziffert. Unwahrscheinlich, dass sie je gezogen wird.

Seit Anfang Mai 2020 war in München so gut wie klar: Auch Philippe Coutinho wird gehen. Die hohen Erwartungen – BILD am SONNTAG wähnte ihn nach 28 (!) Bundesliga-Minuten als „Wachablösung“ für Bayern-Idol Thomas Müller – konnte er trotz ordentlicher Zahlen nicht erfüllen. Er war weder der herbei geschriebene Hoffnungsträger noch der Ersatz für den legendären Franck Ribéry.

Mal erzielte er, wie beim 6:1 gegen Abstiegskandidat Werder Bremen, drei Treffer, mal tauchte er über Wochen unter, mal war er gar nicht im Kader. Bestes Beispiel: Das Spitzenspiel bei Borussia Mönchengladbach (1:2) am 7. Dezember 2019. Fazit: „Wachablösung“ vertagt, die Bundesliga-Historie muss, wie bereits nach dem Debüt auf Schalke (3:0) vom Boulevard prognostiziert, nicht in eine Zeit vor und in eine Zeit nach Coutinho umgeschrieben werden…

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6. Kingsley Coman – Farewell to the King?

Die Zukunft von Kingley Coman in München ist ungewiss.
Die Zukunft von Kingley Coman in München ist ungewiss. Foto: Imago Images / ActionPictures.

„Der King“ – so nannte Ex-Bayern-Coach den französischen Nationalspieler Kingsley Coman.

Wirklich ein König war Coman in München aber selten. Pfeilschnell, wendig, torgefährlich, war der Linksaußen allerdings auch verletzungsanfällig. Allein in der Saison 2019/2020 verpasste er (Stand: 15. Mai 2020) 13 Pflichtspiele.

Und: Immer wieder ranken sich Wechsel-Gerüchte um den „King“, der bei den Bayern noch bis 2023 unter Vertrag steht, der aber bei einem Marktwert von 40 Mio. Euro (Quelle: Transfermarkt.de) zu den wenigen Spielern gehört, die die Münchner mit Return of Invest verkaufen könnten. Real Madrid soll laut Spox.com bereit sein, den „King“ als Nachfolger für den Waliser Gareth Bale in die spanische Hauptstadt zu holen. Eigentlich ein Angebot, das man nicht ablehnen kann…

Dazu kommt: Holen die Bayern Leroy Sané für die vakante Linksaußenposition, könnte dies das „Aus“ für Coman beim Rekordmeister einleiten.

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