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FC Bayern München: 250 Mio. € reichen nicht, 500 Mio.€ kostet der Umbau


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Brazzo und die "alten Männer" - Der FC Bayern braucht eine Rundumerneuerung

Die alten Männer des FCB.
Die alten Männer des FCB. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
Die Hinrunde der Spielzeit 2018/19 endete für den FC Bayern München versöhnlich. Die Rückrunde startete erfreulich und endete noch besser. Der FC Bayern München fing Borussia Dortmund noch ab, wurde wieder Deutscher Meister und gewann souverän den DFB-Pokal gegen die Emporkömmlinge von RB Leipzig. Die Münchener haben die Rangordnung im deutschen Fußball wieder eindeutig klargerückt. Der FC Bayern ist die Nummer 1 und der BVB mit „Nearly Man“ und Zauderkönig Lucien Favre die Nummer 2. Mit weitem Abstand folgen „die roten Bullen“ aus dem Wilden Osten und „die Apotheke“ mit dem Ex-BVB Coach von der rechten Rheinseite.

Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der erfolgreichste deutsche Fußballklub einen strukturellen Umbruch benötigt, eine Rundumerneuerung. Der Kader ist mit mehr als 27 Jahren im Schnitt überaltert. Und einen Weltklassespieler hat man mit Ausnahme von Manuel Neuer und Robert Lewandowski auch nicht in seinen Reihen. Das langt für gehobenes europäisches Mittelmaß aber nicht für den Gewinn der Champions-League. Der Beweis: Die blutleere Performance gegen den FC Liverpool im Achtelfinale der UCL 2018/19. Im Vergleich zu Teams wie Liverpool, Manchester City, FC Barcelona oder Real Madrid ist der FC Bayern Sparringspartner aber kein ernstzunehmender Gegner mehr. Das ist nicht der Anspruch der Alpha-Tiere von „Monaco di Baviera“ und soll sich möglichst schnell ändern.

Das Mittel: 6 – 7 neue Spieler sollen her – bis zum Sommer 2019. Dafür will der Verein bis zu 250 Millionen Euro ausgeben. Das klingt viel, ist es aber nicht. Mit diesem Budget wird der Umbruch nicht gelingen. Wenn der Verein seinem Beuteschema treu bleibt und auf etablierte Spieler setzt und nicht auf Talente. 2007, 2009 und 2012 konnte man mit dem Bayern-Festgeldkonto den Umschwung einleiten. In 2019 ist das deutlich schwerer. Die Transfermärkte haben sich geändert. Es ist deutlich mehr Geld im Spiel. Geld, das auch der FC Bayern im Vergleich zu den Top-Teams aus Spanien und England nicht mal so einfach hat. Die folgende Analyse zeigt Details.

Die Verantwortung für den Umbruch soll Sportdirektor Hasan Salihamidzic übernehmen. Als er 2017 anfing, hatte er keine große Erfahrung. Seine Vergangenheit als Bayern-Spieler war das entscheidende Einstellungskriterium. Brazzo ist der „dritte Mann“, im Entscheidungsmittelpunkt stehen die „alten Männer“ – Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Der FC Bayern ist weiterhin abhängig von den etablierten Machern. Uli Hoeneß entscheidet alsbald, ob er sich trotz der harschen Kritik auf der letzten Jahreshauptversammlung Ende 2019 ein weiteres Mal aufstellen lässt. Karl-Heinz Rummenigge hat seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender bereits bis Ende 2021 verlängert.

Salihamidzic soll in der Öffentlichkeit mehr Profil gewinnen. Die wichtigen Entscheidungen treffen aber die beiden Alpha-Tiere und nicht der Manager. Trainer Niko Kovac hat (noch) nicht das Standing eines Jupp Heynckes oder Pep Guardiolas. Und jetzt soll er mit „Brazzo“ den größten Strukturwandel in der Geschichte des Vereins einleiten. Das ist riskant. Es kann durchaus sein, dass die Bayern-Oberen ihm das nicht zutrauen und einen Trainerwechsel vornehmen, wenn es in den ersten Spielen der Saison 2019/20 nicht so „flutscht“, wie sich das die Führungsetage vorstellt. Geduld bei sportlichem Misserfolg ist keine hervorstechende Eigenschaft von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Und dieses mal ist die Situation besonders kritisch. Wenn der Fokus auf dem internationalen Standing des FC Bayern als einzigem Klub der Bundesliga liegt, der noch die Champions-League gewinnen kann.

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Kalle del Haye wechselte von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern.

So klappte es früher

Lucas Hernández wechselt zum FC Bayern.
Kommt er oder nicht? Er kommt! Lucas Hernández wechselt zum FC Bayern. (Photo by Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images)

Immer wenn der FC Bayern mal eine Zeit lang Misserfolge hatte, erfolgte ein erfolgreicher Umbruch. Das war 2007 – 2009 so, als Vereine wie der VfB Stuttgart und der VfL Wolfsburg deutscher Fußballmeister wurden. Das war 2012 so, als die Bayern das besondere Tripple schafften und sowohl die deutsche Meisterschaft als auch den DFB-Pokal und das Finale der Champions-League im eigenen Stadion „versemmelten“. Und das soll auch jetzt wieder gelingen.

In der Zeit nach 2009 war es Louis van Gaal, der den Verein erfolgreich führte. Nach 2012 durfte Jupp Heynckes weitermachen und führte den Verein zum richtigen Triple im Jahr 2013. Und dieses Mal stünde mit Oliver Kahn auch eine Führungsfigur bereit, der man ein solches Unterfangen zutrauen könnte. Doch Oliver Kahn soll auf Rummenigge folgen, ihn nicht begleiten – Anfang 2020 oder Anfnag 2022 erst. Bis dahin müsse man sich Kahn laut Hoeneß „warmhalten“ – ein eher seltsames Signal. Verschiebt der FC Bayern den dringend benötigten Umbruch an der Vereinsspitze um einige Jahre? Leiden die „alten Männer „am „Helmut Kohl Syndrom“ und können sich nicht rechtzeitig von der Macht lösen, weil sie sich für unverzichtbar halten?

In den vergangenen zwölf Jahren sahen sich die Bayern 2.5 Mal zu massiven Investitionen auf dem Transfermarkt genötigt, um die nationale Konkurrenz abzuhängen und international wieder konkurrenzfähig zu werden. Im Jahr 2007 wurden Franck Ribéry, Miroslav Klose und Luca Toni verpflichtet, die Bayern gaben hierfür knapp 100 Mio. € aus. Das war damals, als es noch kein iPhone gab und Social Media eine Randerscheinung waren,  viel Geld. Zwei Jahre später legte der Verein mit Arjen Robben und Mario Gomez noch einen drauf. Als Borussia Dortmund 2012 den zweiten Meistertitel in Folge gewann und eine fortgesetzte Dominanz der Schwarz-Gelben drohte, griffen die Bayern zur bewährten Taktik. Erst verpflichteten sie Javi Martínez für die damalige Rekordablöse von 40 Millionen Euro, etwas später holten sie Robert Lewandowski von den Schwarz-Gelben an die Isar.

Doch seit dem Jahr 2013 hat sich der Transfermarkt extrem gewandelt. Klubs wie Paris Saint-Germain, FC Barcelona, Real Madrid, Liverpool oder Manchester City setzen in Sachen Ablösesummen und Spielergehälter ganz andere Maßstäbe. Die 100 Mio. € Schallgrenze ist international schon längst weit überschritten. In der Bundesliga wurde noch kein Spieler für einen Betrag verpflichtet, der  sich auch nur annähernd in der Nähe der 100 Mio. € bewegte. Und jetzt wollen die Bayern den Kader umbauen und bis zu 250 Mio. € dafür in die Hand nehmen. Doch wird das reichen. Für 6 – 7 Neuzugänge, die die Münchener nach vorne bringen, wenn ein Spieler wie Lucas Hernandez bereits 80 Mio. € kostet? Was wie ein Großangriff klingt, wird angesichts der vielen neu zu besetzenden Positionen schnell zu einer Mini-Attacke.

Ligalive Infografik: Der FC Bayern in der Saison 2012/13

Die Streichliste: Diese 10 Spieler sollen oder werden gehen (Spieler 10 - 6)

Diese 10 Spieler sollen oder dürfen gehen. Zum Teil ist der Abschied – Stand Juni 2019 – bereits perfekt.

Zum Teil ist das Schicksal der Spieler Teil der „Wheeling und Dealing“ Aktivitäten von Brazzo und den „alten Männern“ und hängt davon ab, wer in der Spielzeit 2019/20 neu zum FC Bayern kommt.

10. Arjen Robben: Der Holländer macht Schluss

Arjen Robben wird den FC Bayern im Sommer 2019 verlassen.
Arjen Robben wird den FC Bayern im Sommer 2019 verlassen. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Arjen Robben (35, Vertrag bis 2019): Ähnlich wie Franck Ribéry ist auch der Holländer nicht mehr so fit wie früher.

Doch besser in Schuss als der Franzose ist Robben allemal. „Ich hoffe, dass es jetzt die nächsten Wochen so bleibt“, sagte er nach dem 5:1 gegen Benfica und seinem Doppelpack.

„Ich bin nicht mehr der Jüngste. Aber wenn es so funktioniert, ist es nicht schlecht.“

Doch es funktionierte nicht. Robben war in der Saisojn 2018/19 wieder mal häufiger verletzt, als das er spielte.

Seit Januar 2019 stand deshalb fest: Arjen Robben verlässt den FC Bayern im Sommer 2019. Wohin er geht, ist im Juni 2019 immer noch unklar. Die hollädische Ehrendivision ist genauso im Gespräch, wie die internationalen Altersruhesitze für internationale Fußballstars in Japan, China, den USA und im Nahen Osten. Auch eine andere europäische Liga ist denkbar.

Player Profile Arjen Robben - Bundesliga 2018/19

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9. Franck Ribery - Geht der Kampf ums "Goldene Steak" in die nächste Saison?

Franck Ribery: Bleibt er oder geht er?
Franck Ribery: Bleibt er oder geht er? (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Franck Ribéry (35, Vertrag bis 2019): Der Franzose wechselte 2007 von Olympique Marseille zum FC Bayern. Im Jahr 2007 war der damals 24-Jährige selbst Teil eines wesentlichen Umbruchs und einer der zentralen Zukunftsinvestitionen.

Die Münchner nahmen 30 Mio. Euro für den Franzosen in die Hand. Geld, das mehr als gut angelegt war.

Das Enfant Terrible aus Frankreich hat seinen sportlichen Zenit überschritten, immer häufiger fällt er durch krude Aktionen neben dem Platz auf – Stichworte Watschn-Affäre gegen Journalist Patrick Guillou und Steak-Gate.

Sein Vertrag läuft aus und – obwohl sowohl der FC Bayern als auch der Franzose zeitweise damit äugten, den Vertrag zu verlängern – endet die Zusammenarbeit zwischen Ribery und dem FC Bayern zunächst im Sommer 2019. Laut „Bild“ wollen Klubs aus der Premier League Franck Ribéry verpflichten. Genaues ist bis Ende Juni 2019 aber nicht öffentlich verfügbar.

Player Profile Franck Ribery - Bundesliga 2018/19

8. Sandro Wagner: Bimbes in China

Sandro Wagner spielt jetzt in China.
Sandro Wagner spielt jetzt in China. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
Sandro Wagner (31, Vertrag bis 2020): Er kam in der Winterpause 2017/18 für 13 Millionen Euro aus Hoffenheim zum FC Bayern – als Back-up für Robert Lewandowski.

Das wusste er, störte ihn in der Saison 2018/19 aber. „Das ist natürlich nicht das, was ich mir vorstelle“, sagte er nach seinem erst zweiten Einsatz von Beginn an im DFB-Pokal Ende Oktober. Gerüchte über mögliche neue Arbeitgeber Wagners gab es deshalb viele. Hertha BSC war nicht darunter.

Sandro Wagner wechselte im Winter 2019 nach China und verdient dort viel Geld. Von einem kolportierten Jahresgehalt von 15 Mio. € ist die Rede. Das Fernost-Abenteuer bei Tianjin Teda ist sportlich bislang ein Misserfolg. Der „beste deutsche Stürmer“, wie sich „Air Wagner“ einst nannte, macht nicht, wofür er geholt wurde: Tore!

In zehn Partien, die er allesamt über die volle Distanz bestritten hat, erzielte Wagner bis mitte Juni 2019 noch nicht einen einzigen Treffer. Das dürfte seinem deutschen Trainer Uli Stielike Sorgen bereiten. So müssen seine Mitspieler Jonathan (zehn Spiele, neun Tore, zwei Vorlagen) und Frank Acheampong (zwölf Spiele, vier Tore, vier Vorlagen) in die Bresche springen. Sehen wir Wagner bald wieder in der Bundesliga?

Player Profile Sandro Wagner - Bundesliga 2018/19

7. Rafinha - Schluss mit Bundesliga

Rafinha - Keine Lust mehr auf Bundesliga und Kälte im Winter.
Rafinha - Keine Lust mehr auf Bundesliga und Kälte im Winter. (Photo by Adam Pretty/Getty Images)

Rafinha (33, Vertrag bis 2019): Der Deutsch-Brasilianer war auch in der Saison 2018/19 ein solider Back-up.

Seit dem Abgang von Juan Bernat zu Paris Saint Germain war er die einzige  Abwehralternative beim FC Bayern mit Erfahrung auf der Außenbahn. Vor mehr als einem Jahr sprach er bereits über den Wunsch, in naher Zukunft in seine Heimat zurückkehren zu wollen.

Und als als neuer Verteidiger der Weltmeister Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart verpflichtet wurde, war klar, das Rafinha den FC Bayern verlassen würde. Zumal „Intimfeind“ Niko Kovac auch zum Beginn der Spielzeit 2019/20 auf der Bank der Münchener sitzt.

Mittlerweile ist klar: Der Brasilianer schließt sich wie vermutet Flamengo Rio de Janeiro an und unterschreibt an der Copacabana einen Vertrag bis 2021. Das bestätigte der brasilianische Erstligist in der zweiten Juni-Woche offiziell.

Player Profile Rafinha - Bundesliga 2018/19

6. Javi Martinez - Darf er doch bleiben?

Darf Javi Martinez doch beim Fc Bayern bleiben?
Wird Javi Martinez doch beim FC Bayern bleiben? (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)
Für Javi Martinez wurde die Luft beim FC Bayern im Jahr 2018 immer dünner. Unter Jupp Heynckes eigentlich immer gesetzt, galt der Spanier bei Niko Kovac zunächst nicht als des Trainers Liebling. Die letzten 10 Spiele des Rekordmeisters im Jahr 2019 zeigten jedoch, dass sich Vorlieben auch ändern können. 

Nachdem Niko Kovac den Spanier in 2018 auf der Doppelsechs durch Joshua Kimmich und Leon Goretzka ersetzte, zeigt sich der Trainer deutlich zufriedener. Kimmich und Goretzka „ergänzten sich gut“. Die Variante Martinez/Kimmich habe vor allem beim Hinspiel in Dortmund die Traineranordnungen „nicht so interpretiert, wie ich es mir vorgestellt habe,“ äußerte sich Kovac. Der Kicker berichtete, dass sich Javi Martinez kurzfristig sogar in der zweiten Übungsgruppe wiederfand – Folge seiner ausgeprägten Formschwäche. Doch im Hinspiel der Champions League beim FC Liverpool spielte der Spanier im Februar 2019 überragend. Und im Rückspiel gegen Dortmund wiederholte der Spanier seine Weltklasseleistung aus der Champions-League.

Der Vertrag des Weltmeisters von 2010 läuft nur noch bis 2021, danach ist für den Spanier aber Schluss in München. Für ihn dürfte der FC Bayern also noch ordentlich „Bimbes“ einstreichen können, wenn ein Transfer im Sommer 2019 erfolgen würde. Und der wird benötigt, wenn die Transferoffensive in 2019 erfolgreich sein soll. Auf der anderen Seite: Einen Martinez in solch bestechender Form wie in der Rückrunde 2019 können die Bayern auch in der Saison 2019/20 brauchen.

Player Profile Javi Martinez - Bundesliga 2018/19


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