Udo Steinberg – Er erzielte die ersten Treffer für Barca im ersten „Clasico“ gegen Real Madrid



Udo Steinberg – Er erzielte die ersten Treffer für Barca im ersten „Clasico“ gegen Real Madrid.

Die Mannschaft des FC Barcelona in der Saison 1902/03 mit Udo Steinberg (vorn, 2. v. l.), Otto Mayer und Hans Gamper (2. v. r.). Ausschnitt: Los Deportes, 31. März 1903.
Die Mannschaft des FC Barcelona in der Saison 1902/03 mit Udo Steinberg (vorn, 2. v. l.), Otto Mayer und Hans Gamper (2. v. r.). Ausschnitt: Los Deportes, 31. März 1903. Grafik: Hochschule Mittweida

Bis heute bleibt er für „Barca“-Fans unsterblich: Der gebürtige Berliner Udo Steinberg, der neun Jahre den Dress der „Blaugrana“ trug und sich in die Geschichtsbücher brachte.

Denn: Steinberg schoss die ersten beiden Tore für „Barca“ im allerersten „Clasico“, dem bis heute mystischen Duell gegen Real Madrid. Eine Geschichte, die unglaublich anmutet. Wie die gesamte Fußballer und Funktionärslaufbahn im kurzen Leben des Udo Steinberg.

Auch, weil es „El Clasico“ beinahe gar nicht gegeben hätte. Die Teilnahme am „Clasico“ am 13. Mai 1902 stand für die Katalanen lange auf der Kippe, weil der Vorstand aufgrund „inakzeptabler Reisebedingungen“ die Einladung ablehnen wollte. Damit hätte man möglicherweise die Madrilenen brüskiert. Steinberg übernahm persönlich die Kosten für die Anreise. Er war beim FC Barcelona und im katalanischen Fußball vieles – Spieler, Trainer, Funktionär und Mäzen.

Ab 1902 und bis 1916 hieß der Leiter der Fußballschule des FC Barcelona Udo Steinberg. Die Institution galt als Vorläufer der legendären Jugend-Akademie des Vereins, La Masia, die ab 1979 auf Initiative von Johan Cruyff neu belebt wurde. Als Präsident des späteren katalanischen Fußballverbandes Federació Catalana de Futbol, der über Jahrzehnte eine eigene, inoffizielle Nationalmannschaft, die Selecció Catalana de Futbol, unterhält, wirkte Steinberg ab 1906.

 

Steinberg war der erste „Fußball-Macher“ in Barcelona

Keine schlechte Bilanz für einen, der erst 1901, als fünf Jahre vor seiner Berufung zum Fußballfunktionär, nach Barcelona übergesiedelt war. Steinberg war eigentlich gar nicht zum Fußballspielen in die katalanische Metropole gezogen, sondern um Geld zu machen.

Nach dem Studium der Elektrotechnik, das er von 1895 bis 1900 am Technikum Mittweida – die Hochschule Mittweida hat ihn 2016 mit einer sehr anschaulichen biografischen Dokumentation gewürdigt, absolviert hatte, war er Repräsentant deutscher Unternehmen. Seinen ersten Fußballverein in Berlin gründete er bereits als Student. Weitere Vereine, in denen Udo Steinberg ab 1869 Gründungsmitglied war, waren der Mittweidaer Ballspiel Club am Technikum Mittweida und 1899 Britannia Chemnitz. Zudem war Udo Steinberg praktisch Pate bei der Geburtsstunde des DFV. Als Delegierter von Britannia Chemnitz nah er am 28. Januar 1900 an der historischen Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) im Restaurant „Zum Mariengarten“ in Leipzig teil. Zudem machte er sich als Sportjournalist mit Artikeln für Publikationen wie „Spiel und Sport“, „Sport im Bild“ und „Sport im Wort“ einen Namen.

1904 gründete er ein Ingenieurbüro in Barcelona, ab 1910 wirkte er am Straßenbahnbau mit. Zusammen mit „Barca“-Erfinder Hans Gamper, Ernesto Witty, Arthur Witty, John Parsons, Arturo Leask, Kendall Park und Tomas Morrison gründete Steinberg darüber hinaus den Lawn-Tennis Club Barcelona, aus dem später der Real Club de Tenis Barcelona hervorging. Steinberg konnte zwar an der Gründungsversammlung des FC Barcelona im Gimnnás Soler, im Carrer Pintor Fortuny 17-19, noch nicht teilnehmen, spielte danach aber zwischen 1901 und 1911 für den Klub und war einer der frühen Leistungsträger. Es gilt als wahrscheinlich, dass Otto Maier Steinberg auf den Verein hingewiesen hat. Beide hatten seit 1896 im „Berliner Thor- und Fußball-Club Britannia“ an diversen Aktivitäten teilgenommen. „Auch in den Jahren ihres Aufenthaltes in Barcelona hielten beide von Spanien aus als „Auswärtige Mitglieder“ Kontakte zum Berliner Verein“, heißt es dazu in der biografischen Dokumentation der Hochschule Mittweida Zum Leben und Wirken von Udo Steinberg, aus dem Jahr 2016, „Udo Steinberg etablierte sich durch sein spielerisches Können sehr schnell beim FC Barcelona. In spätere Veröffentlichungen wurde seine „Etablierung“ anschaulich beschrieben. Er wurde zum erfolgreichen Stammspieler der Mannschaft. Sein Elan wird später wie folgt beschrieben: Udo Steinberg, deutscher Maschinenbauer, bemerkenswerter Spieler, gesegnet mit einem formidablen Schuss, war ein großartiger Torjäger. Ein kompletter Athlet, hatte keine Gegner über einhundert Meter, ein Rennen, das er viele Male vor einem Spiel lief; danach spielte er, ohne das kleinste Anzeichen von Erschöpfung zu zeigen.“

 

Der „Barca“-Stürmer aus Deutschland kommt auf stolze Zahlen

„Als Fußballspieler schlägt Udo Steinberg ein wie eine Granate“, schrieb die Leipziger Volkszeitung (LVZ) am 29. Dezember 2019 über den ersten „Clasico“-Helden des FCB. Seine Bilanz (die Zahlen in den verschiedenen Quellen divergieren mitunter stark), vornehmlich als Mittelstürmer: Mehr als 60 Tore in den Jahren 1901 bis 1911. Auf dem Weg zu „Barcas“ erster Copa Macaya gelangen ihm 1901/02 insgesamt 16 Tore, nur Hans Gamper war mit 19 Treffern noch erfolgreicher.

Kurios: In der Saison 1903/04 kamen alle fünf Top-Torschützen des Klassements der Copa Macaya vom FC Barcelona. Steinberg traf dabei vier Mal, doch am Ende musste sich der Favorit nur mit Rang vier zufrieden geben. In der Saison 1906/07 blieb Steinberg, soweit diese Zahlen erhalten blieben, in der Copa Macaya erstmals ohne Torerfolg.

Sein Lieblingsgegner war offensichtlich (Quelle: Zum Leben und Wirken von Udo Steinberg – Biografische Dokumentation des Hochschularchives Mittweida) der Verein Catalonia FC, gegen den er am 4. Januar 1902, beim 16:0 von „Barca“, insgesamt fünf Mal traf. Seinen letzten Treffer für den FC Barcelona markierte er am 12. September 1909 beim 7:0-Auswärtserfolg bei Espana. „Ein Zeitungsartikel beschreibt ihn als einen Akteur mit einem robusten Körperbau, eher leicht beleibt und mit normaler Statur“, so die LVZ, „der Träger eines gut gepflegten Kinnbartes lasse nicht den hervorragenden Spieler vermuten.“ Das soll es wohl schon öfter im Fußball gegeben haben…

 

1911: Der „Antreiber der Mannschaft in allen Momenten“ macht Schluss

Als letztes Spiel des Udo Steinberg für die „Blaugrana“ wird die Partie Veteranos gegen FC Barcelona (2:7) am 10. September 1911 gelistet.

Beim FC Barcelona schrieb man über seinen Rücktritt: „Auch Almasque […] und Steinberg, der sichtlich gerührt bekanntgab, dass jene Partien definitiv die letzten waren, die er in seinem Sportlerleben gespielt hat, sprachen einige Worte aus. Diese Entscheidung rief allgemeines Bedauern hervor, aber Steinberg stützte sie nicht auf das Alter – er erklärte, dass er sich so jung wie nie fühlte –, sondern auf die Unmöglichkeit, [dem F. C.] Barcelona seine Aufmerksamkeit zu schenken, da er den Auftrag, eine Linie der Straßenbahn der Rabassada erhalten hatte und dieser seine volle Aufmerksamkeit erforderte. Steinberg hielt sein Wort. Es verschwand der vornehme Spieler, Antreiber der Mannschaft in allen Momenten. Aber er lieh dem Verein weiterhin, bis der Tod ihn unerwartet aus dieser Welt riss, all seine Kooperation und seine Zuneigung.“

Der Erfolg im ersten „Clasico“ gegen Real Madrid gilt als erster Meilenstein in der „Barca“-Historie. Er ist untrennbar mit dem Namen Udo Steinberg verbunden, nicht nur wegen der gesponserten Anreise. Nein. Udo Steinberg machte sich unsterblich! Und zwar am 13. Mai 1902, als der FC Barcelona zum ersten Mal auf Real Madrid traf – bei einem Show-Turnier zu Ehren des spanischen Königs Alfonso XIII., das später als die erste echte (wenn auch nicht anerkannte) Copa del Rey in die Geschichte eingehen sollte.

 

So lief die „Clasico“-Premiere

Das Spiel, der erste „Clasico“, wurde auf der Madrider Pferderennbahn ausgetragen und neben Steinberg liefen unter anderen Gamper, Parsons und Witty auf. „Schon damals stößt das bis heute für beide Seiten emotionale Aufeinandertreffen auf ein großes mediales Echo“, berichtete die LVZ 2019 anlässlich von Steinbergs 100. Todestag. Steinberg schoss die ersten beiden Tore für die Katalanen, Gamper das dritte, Real konnte zwischenzeitlich den Anschlusstreffer zum 2:1 erzielen.

Doch das 3:1 hielt und damit war der erste Sieg von „Barca“ im ersten Spiel gegen Real Madrid perfekt. Durch den Sieg zog der FC Barcelona ins Finale ein, in dem man allerdings Vizcaya de Bilbao mit 1:2 (Tor für „Barca“: Steinberg) unterlagen. Steinberg wurde damit der erste Torschütze in dem als „El Clásico“ bekannten Fußball-Dauerkampf dieser beiden Fußballklubs.

Nach diesem Turnier holte sich der FC Barcelona den Wettbewerb der Copa Macaya. Diesen seit 1900 und ab 1902 erst als „Copa Barcelona“, dann ab 1903 unter dem Namen „Campionat de Catalunya“ ausgetragenen Wettbewerb gewann die „Blaugrana“ bis zur Einstellung 1940 insgesamt 23-mal. Die längste Siegesserie gab es zwischen 1923 und 1928. Da hatte Udo Steinberg seine Karriere längst beendet. 1910 verließ der Stammspieler den FCB aus beruflichen Gründen.

 

Barcelonas Tor-Held fand ausgerechnet in Madrid die letzte Ruhestätte

Kein Wunder. Der Berliner Kaufmannssohn Steinberg war in vielen Branchen erfolgreich. Er meldete mehrere Patente an, unter anderem für spezielle Kugellager, Elektrolysen, elektrische Anschlüsse, Pressen und Mühlen. Zudem entstand 1916 unter seiner Leitung die El Mundo Deportivo, die bis heute täglich erscheinende, große spanische Sportzeitung. Diese und seine und seine fantastische Karriere als erster Shooting-Star und „Clasico“-Held des jungen FC Barcelona hat erst viele Jahrzehnte später eine Würdigung erfahren. Beim FC Barcelona geriet er in Vergessenheit, in der deutschen Fußball-Öffentlichkeit wurde er nicht wahrgenommen. Dieses Schicksal teilt er mit den anderen deutschen Spielern der „Barca“-Gründerjahre, Otto Maier und Emil Walter. Erst die 300 Seiten umfassende, starke Dokumentation Zum Leben und Wirken von Udo Steinberg aus Mittweida zeigte das ungewöhnliche Leben des Udo S. Auf seine Spur kam die Bildungsstäte aus Sachsen allerdings erst durch Briefe des Hochschulabsolventen Steinberg, der sich zwei Jahre nach der Gründung dem FC Barcelona angeschlossen hatte.

Am ersten Weihnachtsfeiertag 1919 verstarb Udo Steinberg in Madrid im Alter von nur 42 Jahren. Vermutlich erlag er einer Lungenentzündung, die eine Folge der „Spanischen Grippe“ war. Diese Pandemie, die zwischen 1918 und 1920 zwischen 27 und 50 Millionen Menschenleben forderte, wurde vor dem Ausbruch von COVID-19 („Corona“) im Dezember 2019 als „Mutter aller Pandemien“ bezeichnet. An ihren Folgen starben auch Frederick Trump, der Großvater des späteren US-Präsidenten Donald Trump, Prinz Erik Gustaf von Schweden, der US-Automobil-Tycoon Horace Elgin Dodge, sowie an den Spätfolgen (Tuberkulose) der Dichter und Schriftsteller Franz Kafka († 1924).

Und leider auch Udo Steinberg, der frühe „Barca“-Tor-Held. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof „Cementerio Civil del Este“ in Madrid, in – so wollte es die Ironie der Geschichte – der Stadt des großen sportlichen Konkurrenten, gegen den er als erster Spieler der „Barca“-Historie genetzt hatte. Über seinen Tod wurde in Deutschland Anfang Januar 1920 in den Berliner Vereinsnachrichten so berichtet: „Eines unserer ältesten Mitglieder […], Herr Fabrikdirektor Otto Maier, ist seit langen Jahren zum ersten Male wieder aus Spanien nach Berlin gekommen und besuchte unseren Vorsitzenden. Außer authentischen Nachrichten über den Tod unseres Mitgliedes Udo Steinberg in Madrid brachte er uns auch eine ansehnliche Geldspende, für welche wir ganz besonders danken!“

Die Systematik der Videostory auf Ligalivenet

Videoinhalte – Der Video-Player oben zeigt zunächst das Video über Udo Steinberg, danach automatisch folgend alle weiteren Videos unseres Dossiers: “Nur diese 9 Deutschen, 2 Österrreicher und 2 Schweizer schafften es zu Barca”.

Alternativ kann jedes Video auch direkt aufgerufen werden durch Klicken auf das Bild, die Überschrift oder den Hinweis der weiter unten folgenden Vorschaubilder, Überschriften und Hinweise unter der Überschrift “Nur diese 9 Deutschen, 2 Österrreicher und 2 Schweizer schafften es zu Barca – Einzelvideos”.

Wer die Story mit vielen zusätzlichen Texten, Bildern und allen Videos lesen und schauen will, dem empfehlen wir unser Dossier “Neun Deutsche, zwei Österreicher und zwei Schweizer schafften es zum FC Barcelona. Aber nur Vier werden kultisch verehrt – ihr Ende war tragisch”. Bitte hier entlang.

Wer das Dossier werbefrei und als E-Book, PDF oder PWA kostenpflichtig lesen und schauen will, bitte hier informieren.

NUR DIESE NEUN DEUTSCHEN, ZWEI ÖSTERREICHER UND ZWEI SCHWEIZER SCHAFFTEN ES ZU BARCA - EINZELVIDEOS

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