1. FC Kaiserslautern 1997/98 – Vom Aufsteiger zur größten Bundesliga-Meister-Sensation



Bayern München feuerte Otto Rehhagel. Der FCK-Trainer ,,rächte" sich auf seine Weise...

Kapitän Ciriaco Sforza nimmt die Meisterschale für den 1. FC Kaiserslautern 1998 in Empfang. Rechts: Fußball-Legende Andreas Brehme.
Kapitän Ciriaco Sforza nimmt die Meisterschale für den 1. FC Kaiserslautern 1998 in Empfang. Rechts: Fußball-Legende Andreas Brehme. Foto: Imago Images / Oliver Behrendt

In Deutschland unvergessen ist das Fußballmärchen vom 1.FC Kaiserlautern. Die „Roten Teufel“ schafften eine Sensation, die wohl auf ewig in der Bundesliga einmalig bleiben wird. 1998 wird der Verein unter Trainer Otto Rehhagel als Aufsteiger überraschend Deutscher Meister.

Rückblende: Nur zwei Jahre zuvor beendet ein 1:1 im direkten Duell bei Bayer Leverkusen am letzten Spieltag nach 33 Jahren die Ära des 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga. Die Bilder vom weinenden Andy Brehme an der Schulter seines Weltmeister-Kollegen Rudi Völler von Bayer Leverkusen sind legendär.

Die Pfälzer schaffen in ihrer ersten Saison in der 2. Bundesliga den sofortigen Wiederaufstieg und werden dann sensationell Meister. Am 9. Mai 1998 darf Brehme bei seinem Karriere-Ende in seiner Heimatstadt Hamburg mit den Kaiserslauterern die Meisterschale stemmen. Das 1:1 beim HSV ist der denkwürdige Schlusspunkt einer unvergesslichen Saison. „In der Pfalz gibt es kein Bier mehr, alles ist leer“, sagt der quirlige Brasilianer Ratinho bei RAN – SAT 1-Fußball mit Blick auf die mehreren zehntausend mitgereisten Fans.

Eine Woche zuvor bebt der „Betze“. Mit einem 4:0 (1:0)-Heimerfolg gegen Mitaufsteiger VfL Wolfsburg – diesen Fact wollen wir mal nicht unterschlagen – wird der FCK zum zweiten Mal nach 1991 Meister in der Bundesliga-Ära. Tore von Olaf Marschall (2), Martin Wagner und Jürgen Rische sorgen an diesem 2. Mai 1998 für unglaubliche Jubelszenen auf dem Betzenberg. So mancher jugendlicher Fan wird nach der Meister Saison des FC Kaiserslautern gar von Weinkrämpfen geschüttelt. Marschall verpasst mit 21 Saisontoren am Ende zwar knapp die Torjägerkrone, darf aber mit Deutschland zur WM. Mit 32.

Gleich am ersten Spieltag besiegen die Männer vom Betzenberg Bayern München auswärts und stehen ab Spieltag vier ununterbrochen an der Tabellenspitze. Für den Branchenprimus aus München fallen die beiden Spiele gegen den personell fast unverändert in die Saison gegangenen Aufsteiger in die Reihe „Hüte dich vor der Rache der Geschmähten, FC Bayern!“ Denn nur etwas mehr als eineinhalb Jahre vor dem 1:0-Erfolg im Münchner Olympiastadion am ersten Spieltag (Tor: Michael Schjönberg) haben die Bayern „König Otto“ mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt. Sie bringen ihn um den sicheren Triumph im UEFA-Cup, Franz Beckenbauer übernimmt für den geschassten Rehhagel, der bei den strengen Münchner Boulevardmedien keinen Stich bekommt. „Ich wollte nur ein Fußballspiel gewinnen“, betont Rehhagel am Abend des Triumphs bei den Bayern dann im ZDF-Sportstudio in Mainz… nehmen wir es dem Altmeister mal so ab.

Der FCK 1997/98, das ist nicht mehr der Hau-Ruck-und-wir-warten-auf-die-Nachspielzeit-Fußball der ersten Meisterschaft von 1991 unter Kalli Feldkamp. Rehhagels FCK, glänzend organisiert von Regisseur Ciriaco Sforza und mit den unermüdlichen Läufern Andy Buck und Wagner auf den Außenbahnen, setzt auch spielerische Glanzlichter. Wie beim 3:0 gegen den FC Schalke 04 am vierten und beim 4:3-Spektakel gegen den VfB Stuttgart am 6. Spieltag.

Erst am 16. Spieltag kassiert Lautern beim 1:2 in Wolfsburg seine erste Auswärtsniederlage. Zu Hause im Fritz-Walter-Stadion düpiert Werder Bremen die „Roten Teufel“ am 8. Spieltag – 3:1. Am Betzenberg holen die Pfälzer am 18. Spieltag zum großen Schlag aus: 2:0 im Rückspiel gegen die Bayern und nun sieben Punkte vor den Münchnern. Die Trapattoni-Bayern spielen so, wie der italienische Maestro es in seiner legendären Wutrede im März 1998 radebrechend formuliert: „Schwach wie eine Flasche leer!“ Aber: Die so angestachelten Bayern kämpfen sich bis zum 32. Spieltag bis auf einen Punkt ran – bei besserer Tordifferenz. Erst ein 0:0 des FC Bayern in Duisburg und Lauterns Urknall gegen Wolfsburg machen die Sensation perfekt. Als Aufsteiger Deutscher Meister? Andy Buck hat es früh gespürt, wie er in einem Kicker-Interview verrät. „Das war am 23. Spieltag, als wir in Stuttgart 1:0 siegten und die Bayern gleichzeitig in Berlin unterlagen. Da schoss mir erstmals der Gedanke durch den Kopf: Mensch, es ist sogar mehr möglich als die UEFFA-Cup-Teilnahme“, so der Schwabe.

„Dieser Titel ist deshalb spektakulär“, philosophiert Otto Rehhagel im Sommer 1998 im Kicker-Special Finale 1997/98, „weil wir aus der Zweiten Liga durchmarschiert sind und über zwei Jahre fast ununterbrochen Tabellenführer gewesen sind. Das unterscheidet sich schon gewaltig von den Meisterschaften mit Bremen 1988 und 1993, denn da gehörte der SV Werder schon vor der Saison dem Kreis der Titelanwärter an.“ 20 Jahre später treffen sich die Helden der Meister-Sensation des FC Kaiserslautern zum Jubiläumsspiel. Voller Melancholie. Seit 2012 ist der FC Kaiserslautern durchgehend in der 2.Bundesliga zu finden. Damit ist 2018 Schluss. Es wartet die 3. Liga – und finanziell steht der Sensationsmeister von einst vor einer düsteren Zukunft.

1. FC Kaiserslautern - Teamprofil und Leistungsdaten

FC Kaiserslautern Meiser Sensation
Nach dem Meisterstück am 2. Mai 1998 wird Martin Wagner im Fritz-Walter-Stadion von den FCK-Fans umlagert. Foto: Imago Images / Pressefoto Baumann

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