Bundesliga-Geschichte – Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund


Am 27. Spieltag der Premierensaison 1964 fallen nur 18 Tore, das zweitschlechteste Ergebnis 1963/64. Am 1. FC Köln liegt es noch am wenigsten, der schickt Nürnberg mit einer 5:0-Packung heim und ist bei sechs Zählern Vorsprung auf den Meidericher SV schon zu 99 % Meister. Eins der 18 Tore jenes 11. April 1964 ist zudem irregulär: Stuttgarts Rolf Geiger rennt gegen den HSV nach einer Verletzungsbehandlung unangemeldet ins Feld zurück, klaut Uwe Seelers Bruder Dieter den Ball und schießt das 2:1. Fair-Play auf Schwäbisch! Wenigstens fällt noch der Ausgleich.

27 Spiele muss Aufsteiger Hannover 96 1965 auf seinen ersten Bundesligaelfmeter warten. In der 86. Minute des Heimspiels gegen den Karlsruher SC ist es so weit. Udo Nix läuft an – und scheitert an Keeper Manfred Paul, doch der bewegt sich zu früh. Wiederholung! Nun nimmt sich Karl-Heinz Mülhausen den Ball und Paul hält wieder, nun war alles legal. Zum Trost gibt es wenigstens die Punkte (4:2), aber das mit den Elfmetern war wohl nix…

Dienstreisen ins Münchner Olympiastadion kann sich der 1. FC Kaiserslautern 1976 eigentlich schenken. Danach sieht es auch am 10. April aus, nach 54 Minuten führt der FC Bayern mit 3:1. Dann folgt die furiose Wende, Klaus Toppmöller schießt zwei weitere Tore, auch Hannes Riedl überwindet Sepp Maier. Und Katsche Schwarzenbeck steht nach dem Spiel vor einem unlösbaren Rätsel: „Ich kann mich nicht erinnern, dass mal einer gegen mich drei Tore geschossen hat.“ Bundestrainer Helmut Schön holt Toppmöller anschließend in die Nationalelf.

Nach 15 Spieltagen holt sich der FC Bayern am 11. April 1981 vom HSV die Tabellenführung zurück. Das liegt an zwei großen Torjägern jener Tage. Während die Bayern dank eines blendend aufgelegten Karl-Heinz Rummenigge (vier Tore) gegen den MSV Duisburg ein Schützenfest (5:1) feiern und er seinen persönlichen Rekord in der Bundesliga aufstellt, verlieren die Hamburger bei Abstiegskandidat Schalke durch zwei Treffer von Altstar Klaus Fischer mit 1:2. Der lange verletzte Fischer meldet sogleich höhere Ambitionen an („Von mir aus kann es mit der Nationalmannschaft wieder los gehen“), dagegen muss HSV-Trainer Aleksandar Ristic, der Nachfolger von Branko Zebec, bald kleinere Brötchen backen. Verteidiger Manfred Kaltz findet „dass man in dieser Saisonphase nicht mehr so viel trainieren darf“ und Manager Günter Netzer legt nach: „Drei Jahre jugoslawischer Spielart sind genug. So können wir weder wichtige Punkte machen noch die Leute begeistern.“ Die Ära Happel bahnt sich an…

Dortmund, Marc Bartra
Die Anzeigetafel im Dortmunder Stadion schickt Genesungswünsche an Marc Bartra Aregall, der beim Bus-Anschlag schwer verletzt wurde. Copyright: imago images

11. April 1987: Frontzeck nimmt alle Schuld auf sich

Michael Frontzeck (Gladbach, li.) scheitert per Elfmeter an Torwart Jean Marie Pfaff (Bayern). Copyright: imago/Kicker/Liedel

Mönchengladbachs Nationalspieler Michael Frontzeck hat am 11. April 1987 einen schwarzen Tag erwischt, ist aber das Musterbeispiel der Selbstreflexion. „Schreiben Sie, dass ich alleine an dem Punktverlust schuld bin“, sagt er den Reportern nach der Heimniederlage gegen die Bayern. Denn Frontzeck verschießt nicht zum ersten Mal in der Saison einen Elfmeter, nun reicht es auch Trainer Jupp Heynckes: „Den nächsten schießt Bruns!“ Uli Hoeneß genießt den Bayern-Erfolg mit gemischten Gefühlen, der Manager benötigt nach einer Morddrohung Polizeischutz, zwei Beamte sitzen mit Sondergenehmigung auf der Gästebank – und bekommen zum Glück nichts zu tun.

Der Niederländer Arie Haan, gerade in Stuttgart entlassen, hat am 11. April 1990 offenbar trotzdem noch einen guten Namen in der Bundesliga. Der 1. FC Nürnberg verpflichtet ihn  nicht nur als Nachfolger von Trainer Hermann Gerland, sondern auch als Sportdirektor. So eine Doppelfunktion hat es in der Bundesliga zumindest offiziell noch nicht gegeben.

Die erste Bundesligasaison des Trainers Klaus Toppmöller nimmt am 10. April 1994 ein ebenso vorzeitiges wie unerwartetes Ende. In der Vorrunde klopft er noch große Sprüche („Bye bye Bayern“) und führt Eintracht Frankfurt zur Herbstmeisterschaft. Aber einen Tag nach dem 1:2 bei Tabellenführer Bayern München und dem Sturz auf Platz fünf wirft ihn die Eintracht raus – und Torwart Uli Stein gleich mit. Der Vorstand hat genug von den internen Querelen um Stein, den Toppmöller eisern stützt. Präsident Matthias Ohms: „Wir mussten diesen Schritt tun, um ein positives Saisonende zu bewirken.“

Es ist kein guter Tag für Torhüter, wie auch Duisburgs Zoran Zeljko bestätigen kann. Er darf in der Sonntagspartie seines MSV gegen Kaiserslautern sein Debüt geben und wird von den Gästen reichlich beschenkt. Endstand 1:7! Draunter zwei Elfmeter von Weltmeister Andy Brehme.

Die Krise von Borussia Dortmund wird am 11. April 2000 immer dramatischer. Der BVB verliert vor 61.500 Zuschauern sogar sein Heimspiel gegen Aufsteiger SpVgg. Unterhaching mit 1:3. Unter dem weiter sieglosen Trainer Bernd Krauss, dessen Ablösung unmittelbar bevorsteht, ist es die sechste Niederlage in Folge und ein trauriger Vereinsrekord. Verteidiger Christian Wörns, anno 2000 auch von Länderspielen einigen Kummer gewöhnt, beteuert: „Dieser Abend war das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe.“

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11. April 2017: Bombenanschlag auf den BVB-Bus

Nürnberg, Spielabbruch
Land unter! Spielabbruch in Nürnberg - Schiedsrichter Dr. Jochen Drees (Mitte li.) im Gespräch mit Geschäftsführer Matthias Huber (Nürnberg). Copyright: imago/Bernd Müller

Werder Bremen rüstet sich am 10. April 2004 allmählich für die Meisterfeier. Das 1:0 gegen Frankfurt ist das 19. Spiel in Folge ohne Niederlage, der Vorsprung auf die Bayern beträgt weiterhin sieben Punkte. Ärger gibt’s trotzdem: der Platzverweis für Ümit Davala erregt Manager Klaus Allofs. Er verhängt eine Geldstrafe, denn „das darf einem international so erfahrenen Spieler nicht passieren.“

In Nürnberg ist am 11. April 2008 Land unter. Das Spiel gegen den VfL Wolfsburg wird wegen eines Platzregens beim Stand von 1:0 in der Halbzeit abgebrochen. Zweimal telefoniert Schiedsrichter Dr. Jochen Drees noch mit dem Wetteramt, dann resigniert er. Die Partie wird neu angesetzt. Ivan Saenkos Tor zählt in den Statistiken nicht, die erteilten Karten schon. Die Spieler bedanken sich bei ihren pitschnassen Fans, die bis zur endgültigen Absage um 22.16 Uhr ausharren, mit einer Ehrenrunde.

Am 10. April 2010 zahlen 22.500 Hertha-Fans nur fünf Euro, um ein Heimspiel zu sehen. Nach der Blocksperre für den harten Kern in Folge von Ausschreitungen bietet der Verein eine Übertragung des Spiels gegen den VfB Stuttgart in der Waldbühne an, wo sonst Konzerte stattfinden. Das Ausweichen bringt auch nix, nach dem 0:1 herrscht nur noch Katzenjammer beim Schlusslicht.

Lukas Podolski wird am 10. April 2012 als fairer Sportsmann gefeiert. In Mainz wird der Kölner in der ersten Halbzeit von einer Münze am Auge getroffen, markiert aber nicht den sterbenden Schwan und spielt weiter. „Es war im ersten Moment sehr schmerzhaft. Aber eine Auswechslung kam für mich nicht in Frage“, sagte er. Der Protestgrund entfiel damit natürlich. Seine vom Abstieg bedrohte Mannschaft verliert mit 0:4, Mainz kommt mit einer Strafe (40.000 Euro) davon. DFB-Richter Stefan Lorenz: „Die Mainzer können Podolski eine Kiste Sekt schicken.“

Am nächsten Tag entscheidet Robert Lewandowskis Hackentreffer gegen die Bayern das Spiel (1:0) und quasi die Meisterschaft 2012. Arjen Robben hätte es verhindern können, aber er hebt das Abseits auf, danach hält Roman Weidenfeller seinen Elfmeter und zu schlechter Letzt schießt er frei übers leere Tor.

Auf der Fahrt zum Champions League-Heimspiel gegen AS Monaco wird der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am 11. April 2017 beschossen. Sprengkörper zerstören  Scheiben, Spieler Marc Bartra wird an der Hand verletzt. Auch ein Polizist der Motorradeskorte wird getroffen. Alle sind geschockt, das Spiel wird abgesagt. Später stellt sich heraus: ein Verrückter, der auf den Fall der BVB-Aktie Geld gesetzt hat, steckt hinter dem Anschlag vor dem Mannschaftshotel. Er wird wegen „29fachem Mordversuchs“ 2019 zu 14 Jahren Haft verurteilt. Dortmunds Nuri Sahin: „Die Gesichter im Bus werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“

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