Bundesliga-Geschichte – Als Bremen einen historischen Elfer verschoss


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 22. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Selten kann man sich die Ergebnisse leichter merken als am 29. Spieltag 1966/67. Gleich sechs Partien enden 1:1, bis heute ein Rekord. Warum es nicht sieben geworden sind, darf man zumindest mal fragen. Schließlich spielt Köln in Hannover 83 Minuten in Unterzahl, da Wolfgang Weber verletzt ausscheidet, und rettet doch ein 1:0 über die Zeit. 

Der perfekte Abschied bleibt schon 1972 für viele Große eine Illusion. Auch Uwe Seeler geht es nicht anders. Sein 239. Bundesligaspiel ist sein letztes, er hört schon fünf Spieltage vor Ende der Saison 1971/72 auf. Mit einer 1:2-Heimniederlage seines HSV gegen den VfB Stuttgart und vor nur noch 9000 Zuschauer. „Diesen Bundesliga-Abschied hatte Uwe Seeler nicht verdient“, findet der Kicker. Zum Glück kriegt er noch ein offizielles Abschiedsspiel.

Die Berliner Volkmar Groß und Wolfgang Gayer haben ihr letztes Spiel für die Hertha schon hinter sich. Trainer Helmut Kronsbein will sie zwar gegen Braunschweig aufstellen, doch wegen ihrer Verwicklung in den Bundesligaskandal sperrt sie ihr Klub noch am Spieltag vereinsintern.

Eintracht Frankfurt ist 1977 einfach unschlagbar. Selbst in Kaiserslautern holen die Hessen durch einen Doppelschlag von Bernd Hölzenbein noch ein 0:2 auf. Damit haben sie 18 Spiele in Folge nicht verloren und brechen den Rekord, den Borussia Mönchengladbach erst 1975 aufgestellt hat. Selten hat ein Trainerwechsel eine Mannschaft stärker verwandelt als in diesem Fall. Gyula Lorant ist seit November 1976 da und hat aus dem Abstiegskandidaten eine Topmannschaft gemacht, die drei Spiele vor Schluss sogar noch Titelchancen hat.

Werder, Kutzop, Bayern
Michael Kutzop (SV Werder Bremen) schießt den Elfmeter, der die Meisterschaft 1985/1986 vorzeitig entschieden hätte, gegen den chancenlosen Torwart Jean Marie Pfaff (FC Bayern München) in der 89. Minute an den Pfosten. Copyright: imago images / Schumann

22. April 1986: Bremen verschießt historischen Elfmeter

Michael Kutzop, Werder Bremen 1986
Michael Kutzop (SV Werder Bremen) schleicht nach seinem verschossenen Elfmeter und dem 0:0 gegen den FC Bayern München enttäuscht vom Platz. Copyright: imago images / Sven Simon

Die Bundesliga bekommt am 22. April 1978 ihren Zielfotoeinlauf. Der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach liegen nach dem 33. Spieltag 1977/78 weiter punktgleich an der Spitze. Beide gewinnen und obwohl Borussia noch mal vier Tore aufholt, ist über die Tordifferenz wohl nichts mehr zu machen. Köln hat nach dem 2:1 gegen den VfB Stuttgart immer noch ein Plus von zehn gegenüber Meister Borussia, der beim HSV in der letzten halben Stunde aus einem 1:2 ein 6:2 macht. Es ist das erste halbe Dutzend Borussen-Tore in einem Bundesligaauswärtsspiel.

In Braunschweig endet das Kurz-Gastspiel von Weltmeister Paul Breitner, der bei der Eintracht nicht glücklich geworden ist und zu den Bayern zurückkehrt. Vor dem letzten Heimspiel gibt’s zum Abschied einen Zinnteller. Eigentlich war er gekommen, um die Salatschüssel zu holen.

Die Bundesliga dominiert 1980 Europa. Das Uefa-Cup-Halbfinale besteht nur aus deutschen Teams. In den Rückspielen qualifizieren sich Eintracht Frankfurt und Titelverteidiger Borussia Mönchengladbach fürs rein deutsche Finale. Die Hessen egalisieren eine 0:2-Niederlage aus dem Hinspiel binnen 90 Minuten und werfen Bayern München raus (5:1 nach Verlängerung). Ihre Helden sind die Doppeltorschützen Bruno Pezzey (Libero!) und Harald Karger, genannt „Schädel-Harry“. Die Borussia biegt das 1:2 in Stuttgart durch Treffer von Jungfuchs Lothar Matthäus und Winfried Schäfer um. Das Fernsehen überträgt die Sternstunde der Bundesliga auf europäischer Bühne nur in einigen dritten Programmen live.

In Bremen wird an diesem Dienstagabend im April 1986 der berühmteste Elfmeter der Bundesligahistorie geschossen. Berühmt, weil er nicht drin ist. Berühmt, weil er ein Beleg für das ewige Bayern-Dusel ist, wie die Neider des Rekordmeisters finden. Berühmt, weil Rudi Völler nicht müde wird davon zu erzählen, dass ihn sein bester Freund in Fußballerzeiten um das Vergnügen gebracht hat, einmal Meister zu werden. Michael Kutzop, eine Tormaschine am Elfmeterpunkt, setzt in der 88. Minute des Gipfeltreffens gegen die Bayern beim Stand von 0:0 den Ball an den Außenpfosten. Es ist erst sein zweiter Fehlschuss bei 30 Versuchen in einem Punktspiel. Hätte er getroffen und sein Team die letzten beiden Minuten unbeschadet überstanden, wäre Bremen Meister geworden. Manager Willi Lemke hat schon alles vorbereitet, doch nun bleiben die elf eisgekühlten Champagner-Flaschen zu. Objektive Beobachter müssen zugestehen, dass der Fußballgott zurecht eingegriffen hat, denn der Handelfmeter, den Volker Roth gegen Sören Lerby gepfiffen hat, war unberechtigt.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Jürgen Klopp FC Watford - FC Liverpool 3:0
Die Premier League will am 08. Juni starten und mehr
Bundesliga-Geschichte - Bayern zerlegt BVB: Das deutsche Clasico wird zum Desaster
Ailton, Hamburger SV, 2006
Bundesliga-Geschichte - Ailton rächt sich an Schalke 04 und Heynckes flieht
Giovanni Trapatoni bleibt Kult.
Bundesliga-Geschichte - FC Bayern „So einen Trainer kriegst‘ nie wieder“

22. April 1991: Der DFB führt die „Ampelkarte“ (Gelb-Rot) ein

Schiedsrichter Hellmut Krug zeigt Christian Nerlinger (FC Bayern München) im Spiel beim TSV 1860 München die gelb rote Karte, dahinter Lothar Matthäus und Alain Sutter (beide FC Bayern München)
Schiedsrichter Hellmut Krug zeigt Christian Nerlinger (FC Bayern München) im Spiel beim TSV 1860 München die gelb rote Karte, dahinter Lothar Matthäus und Alain Sutter (beide FC Bayern München). Der DFB führte diese „Ampelkarte“ erst zur Saison 1991/92 ein. Copyright: Imago images

Der DFB reagiert auf die Rot-Flut der Saison 1990/91. Der Beirat führt zur Saison 1991/92 die „Ampelkarte“ (Gelb-Rot) ein.

Mit einer 0:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern ist der Abstieg der SG Wattenscheid 09 aus der Bundesliga am 22. April 1994 besiegelt. Sie hielt immerhin vier Jahre durch, drei mehr als gedacht. Das Spiel der letzten Hoffnung verfolgen 13.000 Fans in der Lohrheide, die seither keinen Bundesligafußball gesehen hat. Dabei sagt Trainer Frank Hartmann im April 1994 doch: „Wir müssen jetzt sehen, dass wir so schnell wie möglich wieder hoch kommen.“

In München wird 1998 vollzogen, was längst auf dem Boulevard breitgetreten worden ist. Ottmar Hitzfeld, bis dahin Sportdirektor und zuvor Meistertrainer bei Borussia Dortmund, unterschreibt bei den Bayern einen Zwei-Jahresvertrag.

Kaiserslauterns Mittelstürmer Olaf Marschall braucht an diesem Tag im Jahr 2000 niemand zu fragen, wie seine Mannschaft gespielt hat. Die zweite Halbzeit der Partie in Wolfsburg verbringt er besinnungslos in der Kabine, wegen einer zunächst nicht diagnostizierten Gehirnerschütterung. Immerhin erfährt er nicht, wie die Rehhagel-Elf nach 2:0-Führung noch 2:3 verlieren konnte. Aber dass er selbst am nächsten Tag „nicht realisiert dass Ostern ist“, geht seiner Frau Heidi dann doch zu weit.

Was wäre Werder Bremen 2017 ohne Max Kruse? Beim Gastspiel in Ingolstadt macht der ausgemusterte Nationalspieler seinen Stellenwert deutlich und erzielt alle vier Treffer zum 4:2-Sieg der Hanseaten. Damit stellt er den Vereinsrekord für die meisten Tore in einem Bundesligaspiel ein.

Ligalivenet Premium-Dienste

RB Leipzig Channel

Kostenfreie Top-News und Stories nur zu RB Leipzig. Für Lover und Hater.

Bayern München Channel

Kostenfreie Top-News und Stories nur zum FC Bayern München. Für Lover und Hater.

FC Liverpool Channel

Kostenfreie Top-News und Stories nur zum FC Liverpool. Für Lover und Hater.