Bundesliga-Geschichte – Als der HSV richtig peinlich wurde …


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 27. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Die Bundesliga erlebt am 26. April 1986 eines ihrer dramatischsten Finals und Uli Hoeneß wird am Ende seiner Bayern-Tage sagen nie habe er sich mehr über eine Meisterschaft gefreut. Wieso? 33 Spieltage läuft der Titelverteidiger der Musik hinterher, die Werder Bremen macht. Weil Werder vier Tage zuvor den Matchball im direkten Duell vergab (0:0), hat Bayern bei zwei Punkten Rückstand noch eine kleine Chance – und nutzt sie. Mit einem furiosen 6:0 gegen lustlose Gladbacher und mit Hilfe des VfB Stuttgart. Dessen Mittelfeldspieler Karl Allgöwer knallt zwei Bälle in den Werder-Kasten, Manfred Burgsmüllers Anschlusstreffer ist zu wenig. Somit wird erstmals eine Mannschaft Meister, die nur am letzten Spieltag oben steht – aber nur darauf kommt’s an. Trainer Udo Lattek bekundet öffentlich sein Mitleid für den ungeliebten Kollegen Otto Rehhagel, der da sagt: „Nur wer den Fußball kennt, weiß wie ich leide.“

Der frühzeitig feststehende Absteiger Hertha BSC spart sich 1990/91 nicht nur Siege und Tore, sondern auch Transportkosten. Da man vor dem Heimspiel gegen den HSV (1:4) nicht mal mehr einen eigenen Bus hat, fährt die Mannschaft aus Kostengründen mit einem Linienbus der BVG ins Stadion. Trainer Peter Neururer beschämt: „Wir haben uns im Bus umgedreht, damit uns keiner erkennt.“

Ein schwarzer Tag für die schwarze Zunft, ein großer für die Gerechtigkeit im Fußball 1994. Das DFB-Sportgericht fällt in Frankfurt ein historisches Urteil und lässt die Partie zwischen Bayern München und dem 1. FC Nürnberg wiederholen, die durch das Phantom-Tor von Thomas Helmer in die Schlagzeile geraten war. Erstmals wird damit eine Tatsachenentscheidung eines Bundesligaspiels angefochten. Nürnbergs Präsident Georg Haas: „Sieger ist einzig und allein der Fußball.“ Interessant: während die sechs Gelben Karten ihre Gültigkeit behalten, werden die Tore der Partie vom 23. April 1994 (2:1) auch in der Spielerstatistik gestrichen. Tragisch für Helmer, der erstmals im Bayern-Dress gleich zwei Tore erzielt hatte. So ein Tag wird nie wieder kommen…

Bruno Labbadia wird entlassen. Foto: Imago Imges
Bruno Labbadia wird vom Hamburger SV im Jahr 2010 entlassen. Da helfen auch Erfolge im Europacup nichts. Foto: Imago Images

Meister nach 30 Spieltagen

Ottmar Hitzfeld verabschiedete sich 2008 als Double-Sieger vom FC Bayern München und der Fußball-Bundesliga.
Ottmar Hitzfeld verabschiedete sich 2008 als Double-Sieger vom FC Bayern München und der Fußball-Bundesliga. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Die Bundesliga nimmt am 26. April 1996 Abschied vom Standort Krefeld-Uerdingen. Der einstige Werksklub von Bayer übersteht die erste Saison als Krefelder FC Uerdingen nicht und ist nach einem 0:3 in Kaiserslautern schon nach dem 30. Spieltag 1995/96 endgültig abgestiegen. Sie sind nie mehr zurück gekommen.

Bayern München stellt seinen eigenen Bundesligarekord von 1973 ein und wird auch 2003 schon nach dem 30. Spieltag Meister. Claudio Pizarro und Giovane Elber schießen die Tore zum 2:0-Sieg in Wolfsburg, wo sie zur eigenen Überraschung das Ergebnis aus Stuttgart hören. Der VfB kommt nur zu einem 1:1 gegen Hansa Rostock. Für Trainer Ottmar Hitzfeld ist es schon die vierte Meisterschaft im fünften Bayern-Jahr.

Torwartdrama im Ost-Derby 2008. Hansa Rostocks Keeper Stefan Wächter verletzt sich in Cottbus sechs Minuten vor Schluss am Knie und hat große Schmerzen, kann aber nicht mehr ausgewechselt werden. Kurz darauf kassiert er das entscheidende Cottbuser 2:1 durch Joker Dimitar Rangelov, das ein gesunder Wächter gehalten hätte. Erst jetzt geht ein Feldspieler ins Tor. Wächter gesteht: „Dieser Samstag war für mich sportlich der schlimmste Tag meiner Laufbahn.“ Es wird noch schlimmer kommen: Wächter erleidet einen Kreuzbandriss, muss operiert werden, Hansa steigt am Saisonende 2007/08. Weder er noch sein Klub werden je wieder Bundesliga spielen.

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Der erste Sofameister

In 102 Spielen holte der FC Bayern unter Pep Guardiola 257 Punkte. Foto: Getty Images
In 102 Spielen holte der FC Bayern unter Pep Guardiola 257 Punkte. Foto: Getty Images

Was macht ein Bundesligist mit einem Trainer, der das Halbfinale der Europa League 2010 erreicht? Er wirft ihn raus. Wer macht so was? Nur der HSV. Unter dem Eindruck des 1:5 bei der TSG Hoffenheim entlassen die Hamburger Bruno Labbadia drei Tage vor dem Spiel beim FC Fulham.

Das leitet sein Assistent Ricardo Moniz. Die Fachwelt äußert anno 2010 sogar Verständnis: „Keiner seiner Vorgänger hat in so kurzer Zeit so viele Führungsspieler gegen sich aufgebracht“, urteilt der Kicker. „Labbadia war nicht nur Opfer“. Was würde der HSV heute für einen Trainer geben, der sie in ein europäisches Halbfinale führt?

In Guardiola-Zeiten ist es auch 2015 keine Frage wer Meister wird. Höchstens wann es die Bayern schaffen. Oder wie? In diesem Jahr ist es besonders unspektakulär, die Bundesliga bekommt ihren ersten Sofa-Meister. Während die Bayern am Vortag ihre Pflicht getan haben (1:0 gegen Hertha BSC), verschafft ihnen nun der Gladbacher Max Kruse Titel-Gewissheit. Sein Tor in letzter Minute zum 1:0 gegen Verfolgerchen VfL Wolfsburg macht sie am 30. Spieltag wieder mal zur „Number one“. Das erleben die meisten Spieler vor dem Fernseher.

Danach feiern sie so ausgelassen wie es eben geht: Mario Götze postet ein Foto von sich mit einer Flasche Schampus und Vorstand Kalle Rummenigge dankt der Mannschaft schriftlich auf der Homepage. Super-Bayern, Super-Bayern, ej!

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