Bundesliga-Geschichte – Als der Bayern-Präsident auch Trainer wurde


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 27. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Die Fans des 1. FC Nürnberg müssen den Meistersekt 1968 noch ein paar Tage länger kaltstellen. Der Tabellenführer unterliegt am 31. Spieltag 1967/68 bei Aufsteiger Alemannia Aachen mit 0:2 und vergeben den ersten Matchball auf den Titel. So darf Verfolger Werder Bremen, der in letzter Minute das 3:2-Siegtor bei Bayern München erzielt, noch etwas hoffen. Der Spieltag geht trotzdem in die Geschichte ein als der bis dahin am schwächsten besuchte seit Gründung der Liga 1963. Zu den neun Partien kommen nur 112.000 Menschen, in Aachen sind es noch die meisten (29.000). Dagegen sehen den letzten Bundesligasieg von Absteiger Borussia Neunkirchen gegen 1860 München nur noch 3800 Getreue.

Auch nach dem 31. Spieltag 1973/74 steht noch kein Absteiger fest, dazu sind die Totgeweihten noch zu vital. Labil aber auch. Schlusslicht Hannover 96 führt in Bremen bis zur 70. Minute mit 3:0, da wechselt Werder-Coach Josef Piontek zwei Joker ein. Frank Thygesen und Volker Ohling schießen prompt je ein Tor, auch Werner Görts trifft – Endstand 3:3. Der Vorletzte Fortuna Köln schlägt den VfB Stuttgart mit 1:0, weshalb noch acht Teams um den Klassenerhalt zittern. Wie so oft auch der VfL Bochum, dessen Trainer Heinz Höher nach dem 0:4 bei den Bayern zischt: „Wenn meine Spieler einen Hut aufgehabt hätten, hätten sie ihn bei jedem Zweikampf abgenommen.“

Anfängerfehler am Millerntor 1990. Der 32jährige St. Pauli-Trainer Helmut Schulte wechselt gegen Kaiserslautern mit dem Brasilianer Leo Manzi einen dritten Ausländer ein. 1990 sind nur zwei erlaubt. Da das Spiel idealerweise so endet, wie man es gewertet hätte in solchen Fällen (0:2), bleibt dem Sportgericht Arbeit erspart. Der FCK protestiert nicht, die Hamburger kriegen nur eine moderate Geldstrafe.

Beckenbauer, Scholl, Bayern
Präsident und Interimstrainer Franz Beckenbauer (re.) bedankt sich bei der Auswechslung 1996 bei Mehmet Scholl. Copyright: imago images / Sven Simon

27. April 1996: Der Präsident wird Bundesligatrainer

Günther Eichberg, Schalke
Schalke-Präsident Günther Eichberg ist nicht begeistert vom Experiment, einen Bundesligisten vom Telefon aus zu managen. Copyright: imago images / HJS

Auf Schalke endet am 27. April 1992 das Experiment, einen Bundesligisten vom Telefon aus zu managen. Der Traditionsklub und Berater Günter Netzer, der seinen Wohnsitz Zürich nicht aufgeben will und sich im Revier nur selten blicken lässt, gehen 1992 nach neun Monaten wieder auseinander. Präsident Günter Eichberg: „Es ist jetzt nicht leicht einen Fehler zugeben zu müssen.“ Netzer sagt gewohnt gelassen: „Ich schaue mir aus der Ferne genüsslich an, was auf Schalke passiert.“

Vor dem Spiel 1996 warnt er seine Mannschaft noch vor Jonathan Akpoborie, doch sein einziges Opfer wird er selbst. Am Abend nach Bayern Münchens 0:1-Heimniederlage gegen Hansa Rostock (Torschütze: Akpoborie) entlässt der Rekordmeister Otto Rehhagel. Im Grunde ist es eine Erlösung, bei Bayern tragen sie schon lange keine „Otto-find-ich gut“-Mützen wie noch im Sommer 1995. Die Skeptiker bekommen recht: Bremen ist nicht München, Rehhagel geht beim FC Hollywood unter. Torpediert vom eigenen Präsidenten (Franz Beckenbauer), den Spielern und den Medien endet die „Ottokratie“, die in Bremen 14 ½ Jahre währt, nach 294 Tagen. Nachfolger: Franz Beckenbauer. Er wird der erste Bundesligatrainer, der auch sein eigener Präsident ist. Das kann nur der Kaiser.

Dass Bayer Leverkusen „nie Deutscher Meister“ wird, wird 2002 in allen Stadien bei Bedarf gern gesungen. Es sieht lange anders aus, aber am 33. Spieltag verliert das Team von Klaus Toppmöller beim sich dadurch vor dem Abstieg rettenden 1. FC Nürnberg mit 0:1 und lässt Borussia Dortmund (4:3 beim HSV) vorbeiziehen. Toppmöller hofft noch: „Nur wer liegen bleibt, wird auch im Leben versagen.“ Die Bayer-Pleite schickt nebenher den 1. FC Köln und den SC Freiburg in die 2. Liga.

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Am 27. April 2009 muss in München wieder ein Trainer gehen, der sein erstes Jahr  nicht übersteht: Jürgen Klinsmann erhält zwei Tage nach dem 0:1 gegen Schalke seine Papiere, denn Bayern droht die Teilnahme an der Champions League zu verpassen. Elf Kamerateams verfolgen die Abfahrt des gescheiterten Reformers von der Säbener Straße. Die WELT kommentiert: „Die Obama-isierung des Fußballs ist an diesem Tag unweigerlich gescheitert. Manager Uli Hoeneß bemüht Fußballerweisheiten: „Das beste Konzept hilft nichts, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.“ Dem Greenhorn folgt noch am selben Tag ein alter Hase: Jupp Heynckes kehrt nach 17 Jahren zurück, sagt schon vor den Gehaltsverhandlungen zu, denn „er tut es aus Liebe zum Verein“ (Hoeneß).

Rache ist 2019 süß, am süßesten im Revier-Derby. 2007 hat Dortmund Schalke die Meisterschaft vermasselt, 2019 ist es umgekehrt. Die Königsblauen gewinnen beim BVB in einem Skandalspiel mit 4:2 und reduzieren die Titelchancen des BVB drei Spiele vor Schluss auf ein Minimum. Für Lucien Favre stehen sie bei null: „Der Titel ist verspielt.“ Der Trainer wirkt resigniert vor den Mikrofonen, wo er ungewohnt emotional wird und über Schiedsrichter Felix Zwayer und die Regelhüter an sich schimpft. Hauptgrund für seinen Ausbruch: ein Handelfmeter gegen Julian Weigl (Favre: „Absolut lächerlich. Der größte Skandal seit Jahren!“) und zwei Platzverweise (Marco Reus und Marius Wolf) gegen sein Team – ein Novum in der BVB-Historie.

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